Keine Zwischenfälle bei Weihnachtsmesse der Kopten in Lehrte

Nachricht 06. Januar 2011

Lehrte/Hannover (epd). Überschattet von Terrordrohungen haben koptische Christen am Donnerstagabend in Lehrte-Ahlten bei Hannover ihren Weihnachtsgottesdienst gefeiert. Die Messe nach orthodoxem Ritus mit liturgischen Gesängen und Weihrauch im Beisein prominenter Gäste verlief ohne Zwischenfälle. Die Polizei hatte das Gelände zuvor mit Spürhunden auf Sprengstoff abgesucht. Sie sicherte das Gebäude am Abend mit Streifenwagen.

Die Gemeinden in Lehrte und Frankfurt/Main waren im Internet von Sympathisanten des Terrornetzwerks Al Kaida bedroht worden. Zu der Messe kamen mehrere Dutzend Gemeindemitglieder und weitere Gäste in die katholische Kirche St. Theresia, wo die Kopten gastweise ihre Versammlungen abhalten. Zahlreiche Bürger zeigten mit Kerzen in den Händen ihre Anteilnahme. "Ich finde es wichtig, Flagge zu zeigen gegen jede Art von Extremismus", betonte die Kindergarten-Leiterin Andrea Jeschke (43). "Wir können uns doch nicht aufzwingen lassen, dass man sich, nur weil man einen Glauben hat, bedroht fühlen muss", ergänzte der kaufmännische Angestellte Cord Beinsen (46).

"Wir sind sehr traurig, weil wir unsere Glaubensgeschwister in Alexandria verloren haben", sagte Gemeindevorsteher Said Basta Badres am Rande der Messe. "Aber die Freude am Fest der Geburt Christi darf man sich nicht verderben lassen." Erfreut zeigte sich der Diakon über die Welle der Solidarität von Christen und Politikern. "Angst haben wir nicht. Wir vertrauen auf unseren Gott, der uns beschützen kann."

Aus Solidarität mit den Kopten nahmen auch Repräsentanten aus Politik, Kirche und Gesellschaft am Gottesdienst teil, unter ihnen die Kirchenbeauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Maria Flachsbarth aus Hannover. Für den Rat der Religionen in Hannover war unter anderem der Muslim Hilal Al-Fahad gekommen. "Diese Drohung ist ungeheuer und abscheulich, deshalb ist es notwendig, dass wir hier präsent sind", sagte er dem epd. Auch die evangelische Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann, der freikirchlich-lutherische Bischof Hans-Jörg Voigt und der Hildesheimer katholische Weihbischof Nikolaus Schwerdtfeger nahmen teil.

Nach dem blutigen Bombenanschlag im ägyptischen Alexandria in der Silvesternacht hatten die koptischen Christen in ganz Deutschland ihre Weihnachtsgottesdienste eingeschränkt und die anschließenden traditionellen Feiern abgesagt. Zur Gemeinde in Lehrte gehören rund 80 Familien aus dem südlichen und mittleren Niedersachsen.

Bei dem Selbstmordanschlag nach einer Messe in Alexandria waren in der Silvesternacht mindestens 23 Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Unter den rund 80 Millionen Ägyptern leben etwa zehn Prozent Christen. In Deutschland zählt die koptische Kirche etwa 6.000 Mitglieder. Die aus Ägypten zugewanderten koptischen Christen feiern ihr Weihnachtsfest traditionell am 6. und 7. Januar.

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