Meldungen vom Neujahrsempfang der Landeskirche / Rede des Bischofsvikars im Wortlaut

Nachricht 06. Januar 2011

+++  Rede des Bischofsvikars Jantzen im Wortlaut, s. "Downloads"  +++

McAllister und Jantzen rufen zum Schutz religiöser Minderheiten auf - Ministerpräsident und Bischofsvikar sprechen beim Neujahrsempfang in Loccum
 
Loccum/Hannover (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat Aufrufe im Internet zu Gewalttaten gegen koptische Christen in Deutschland als "vollkommen inakzeptabel" bezeichnet. "Religiöse Minderheiten müssen ihren Glauben ausüben können", sagte er am Donnerstag beim traditionellen Neujahrsempfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum bei Nienburg vor rund 140 Gästen aus Politik und Gesellschaft.
 
Auch der stellvertretende Landesbischof Hans-Hermann Jantzen verurteilte das blutige Attentat auf die Kopten in Ägypten mit 23 Toten und vielen Verletzten scharf. Die Bundesregierung und die EU müssten sich bei den muslimischen Regierungen energisch für den Schutz ihrer christlicher Minderheiten einsetzen.
 
McAllister forderte ein weltweites friedliches Miteinander der Religionen. Religionsfreiheit setze Solidarität mit denjenigen voraus, die wegen ihres Glaubens verfolgt würden. "Wehret den Anfängen", betonte er. "Die Religionsfreiheit der koptischen Christen ist auch unsere Freiheit." Niedersachsen sei ein Land der religiösen Toleranz: "Deshalb werden die Sicherheitsbehörden alles in ihrer Macht Stehende tun, damit die koptischen Christen ihr Weihnachtsfest feiern können."
 
Der Politiker kritisierte zudem eine "Tendenz zum Dagegensein" in Teilen der Bevölkerung. Stuttgart 21 sei nicht das einzige Projekt, das Widerstand und Protest hervorgerufen haben. Das gleiche gelte auch für die Planung und den Bau von Kraftwerken, Stromtrassen, Brücken, Tunnel, Straßen oder Schienenwege.
 
"Es wird eine politische Herausforderung sein, künftig die Menschen besser in transparente Planungsprozesse einzubinden und ihnen gleichzeitig den Nutzen von Infrastrukturprojekten ausführlicher zu erläutern", betonte McAllister. Er gebe jedoch zu bedenken, dass Deutschland seinen Wohlstand nur dann sichern könne, "wenn wir weiterhin den Mut zu Veränderungen und technischen Innovationen haben."
 
Bischofsvikar Jantzen rief zur Suche nach neuen und kreativen Wegen auf, um brennende gesellschaftliche Probleme zu lösen. "Von den militärischen Einsätzen im Irak oder in Afghanistan bis zur Integrationspolitik hier bei uns, von der Armutsbekämpfung bis zur Arbeitsmarktpolitik - überall erleben wir, dass wir mit den alten Denkmustern nicht weiterkommen." Es sei dabei nicht die Absicht der Kirche, eine eigene Politik zu machen.
 
"Wir wollen Politik wieder möglich machen, wo sie sich nach unserem Eindruck festgefahren hat", betonte der evangelische Theologe. Die Bibel habe der Kirche eine Art Wächteramt anvertraut, das diese auch wahrzunehmen versuche. "Nicht, weil wir alles besser wüssten, sondern weil der Glaube an einen gerechten und barmherzigen Gott unseren Blick für heilsame Lebenszusammenhänge schärft."
 
Der Lüneburger Landessuperintendent Jantzen hatte nach dem Rücktritt von Landesbischöfin Margot Käßmann im vergangenen Februar die Amtsgeschäfte übernommen. Der neu gewählte Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, wird am 26. März in sein Amt eingeführt. Die Landeskirche lädt seit rund 60 Jahren zum Epiphanias-Empfang in das 848 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum ein.

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McAllister für schrittweisen Rückzug aus Afghanistan
 
Hannover/Loccum (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat sich für einen schrittweisen Rückzug der internationalen Streitkräfte aus Afghanistan ausgesprochen. Ein überstürzter Rückzug dürfe jedoch nicht dazu führen, dass alles, was in den vergangenen Jahren auch mit Hilfe der Bundeswehr an Stabilität, Frieden und Humanität in dem Land erreicht worden sei, umsonst gewesen sei, sagte er am Donnerstag beim traditionellen Neujahrsempfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum bei Nienburg.
 
Vorrangig müsse es jetzt darum gehen, den afghanischen Sicherheitsbehörden Verantwortung zu übertragen, sagte McAllister vor rund 140 Gästen aus Politik und Gesellschaft. Danach ergebe sich die Möglichkeit eines allmählichen Abzugs. Eine konkreter Termin sollte jedoch im Interesse der Sicherheit der Soldaten und der Menschen in Afghanistan nicht genannt werden, sagte McAllister. Er hatte vor drei Wochen selbst das Land besucht.
 
Der Ministerpräsident begrüßte, dass der künftige Bischof der evangelischen Landeskirche, Ralf Meister, den Dialog mit der Bundeswehr führen und die deutschen Soldaten in Afghanistan besuchen wolle. Meister wird am 26. März in Hannover in sein neues Amt eingeführt.

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Neujahrsempfang: McAllister ruft zum Schutz religiöser Minderheiten auf
 
Loccum/Hannover (epd). Der niedersächsische Ministerpräsident David McAllister (CDU) hat Aufrufe im Internet zu Gewalttaten gegen koptische Christen in Deutschland als "vollkommen inakzeptabel" bezeichnet. "Religiöse Minderheiten müssen ihren Glauben ausüben können", sagte er am Donnerstag beim traditionellen Neujahrsempfang der hannoverschen Landeskirche im Kloster Loccum bei Nienburg vor rund 140 Gästen aus Politik und Gesellschaft.
 
"Wehret den Anfängen", betonte McAllister: "Die Religionsfreiheit der koptischen Christen ist auch unsere Freiheit." Niedersachsen sei ein Land der religiösen Toleranz: "Deshalb werden die Sicherheitsbehörden alles in ihrer Macht Stehende tun, damit die koptischen Christen ihr Weihnachtsfest feiern können." Der Ministerpräsident forderte ein weltweites friedliches Miteinander der Religionen. Religionsfreiheit setze Solidarität mit denjenigen voraus, die wegen ihres Glaubens verfolgt würden.
 
Der Politiker kritisierte zudem eine "Tendenz zum Dagegensein" in Teilen der Bevölkerung. Stuttgart 21 sei nicht das einzige Projekt, die Widerstand und Protest hervorgerufen hätten. Das gleiche gelte auch für die Planung und den Bau von Kraftwerken, Stromtrassen, Brücken, Tunnel, Straßen oder Schienenwege.
 
"Es wird eine politische Herausforderung sein, künftig die Menschen besser in transparente Planungsprozesse einzubinden und ihnen gleichzeitig den Nutzen von Infrastrukturprojekten ausführlicher zu erläutern", betonte McAllister. Er gebe jedoch zu bedenken, dass Deutschland seinen Wohlstand nur dann sichern könne, "wenn wir weiterhin den Mut zu Veränderungen und technischen Innovationen haben."

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Epiphaniasempfang Loccum zwischen Tradition und Moderne
 
Loccum/Kr. Nienburg (epd). Seit 61 Jahren lädt die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Vertreter aus Politik, Wirtschaft und kulturellem Leben zum Jahreswechsel zu einem Empfang in das 848 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum ein. Der ehemalige Abt zu Loccum und Landesbischof Hanns Lilje hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt erstmals am 28. Dezember zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. Lilje zu Ehren, der am 6. Januar 1977 starb, wurde die Feier auf den Epiphaniastag verlegt. Sie ist seitdem der erste offizielle Termin des neuen Jahres in Niedersachsen.
 
Zwischen Tradition und Moderne hat der Empfang bis heute einen besonderen Charakter. Lilje bezeichnete seine Gäste gern als "Notabeln des Landes", wie einst die Mitglieder der königlichen Ratsversammlungen in Frankreich genannt wurden. In Loccum beschränkt sich ihre Zahl schon immer auf 140 Personen. Mehr sind nicht im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, unterzubringen. Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Der liebe Gott hatte immer ein Einsehen und schickte Glatteis, so dass nicht jeder kommen konnte und doch noch alle einen Platz fanden."
 
Noch immer sind die offiziellen Reden allein dem Bischof, dem Abt und dem Ministerpräsidenten vorbehalten. Nach dem Rücktritt von Bischöfin Margot Käßmann im vergangenen Jahr spricht dieses Mal mit dem Lüneburger Landessuperintendenten Hans-Hermann Jantzen ein stellvertretender Bischof. Der neu gewählte Landesbischof Ralf Meister tritt sein Amt erst im März an. Auch Ministerpräsident David McAllister (CDU) ist erstmals unter den Rednern, nachdem sein Vorgänger Christian Wulff 2010 zum Bundespräsidenten gewählt wurde.
 
Eng wird es immer noch, denn auch heute gilt es als etwas Besonderes, auf der Einladungsliste zu stehen. Dagegen sind die Jahre, als die einzige Rolle von Frauen das Kaffee-Ausschenken war, schon länger vorbei. Landesbischöfin Käßmann sorgte in ihrer Amtszeit konsequent dafür, dass die Frauenquote von Jahr zu Jahr stieg.
 
Früher wurde neben Kaffee und Butterkuchen nur noch der eine oder andere Schnaps zum Aufwärmen gereicht, bevor sich alle in der oft eiskalten Klosterkirche zur Andacht versammelten. Heute ist das Angebot um Orangensaft, Sekt und Salzgebäck erweitert. Die Kirche ist beheizt. Für ein ehemaliges Männerkloster aus dem Jahre 1163 gingen die Veränderungen der vergangenen Jahre schnell, sagen Beobachter, wenn auch manch anderes noch ganz beim Alten geblieben sei.
 

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6.1.11