LWB-Generalsekretär ruft dazu auf, der Gewalt zu widerstehen

Nachricht 05. Januar 2011

Genf, 4. Januar 2011 (LWI) – Der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Martin Junge, fordert in seiner Neujahrsbotschaft 2011 die ChristInnen auf, in ihrem Reden und Handeln Gewaltlosigkeit und Frieden zu fördern.

„Ich bete darum, dass wir uns in diesem neuen Jahr auf lokaler, regionaler wie globaler Ebene intensiv an allen denkbaren Anstrengungen zur Überwindung von Gewalt, Hass und Verfolgung beteiligen und uns widersetzen, wo Religion manipuliert wird, um im Dienst anderer Interessen Gewalt zu schüren“, schreibt Junge in seiner vom 4. Januar datierten Neujahrsbotschaft.

Der LWB-Generalsekretär nimmt einen Vers aus dem Römerbrief zum Ausgangspunkt seiner Überlegungen. Dort schreibt der Apostel Paulus: „Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.“ (Röm 12,21) Der Römerbrief mache deutlich, so Junge, woher dieses Gute strömen könne, nämlich aus der Einsicht, dass Rechtfertigung allein aus der Gnade Gottes erwächst. Junge verweist auf das Weltgeschehen der jüngsten Zeit, das „uns aufs Neue daran [erinnert], wie sehr dieser Widerstand gegen die Gewalt nötig ist“, insbesondere, wenn sie mit der Religion begründet wird.

„Das Wissen, gerechtfertigt zu sein, befreit den Menschen von der Fixierung auf ängstliche Selbstrechtfertigung oder auf die gewaltsame Selbstbehauptung gegenüber anderen. Die Freiheit, die aus der Rechtfertigung erwächst, ist Freiheit in Verantwortung für und vor einander“, so der LWB-Generalsekretär weiter.

Junge ruft zur Sensibilität für Formen der Gewalt auf, die in den Medien häufig keine Aufmerksamkeit finden, Menschen aber fortgesetzt schweres Leid zufügen. Unter Verweis auf das Thema Gewalt gegen Frauen erinnert er daran, dass der LWB bei der Elften Vollversammlung seine Entschlossenheit bekräftigt habe, die Anstrengungen zur Überwindung dieses Übels in der lutherischen Kirchengemeinschaft selbst und in der Gesellschaft insgesamt zu verstärken.

Weiter betont Junge, bei der Vollversammlung, die im Juli 2010 stattfand, sei es der lutherischen Kirchengemeinschaft gelungen, „diese befreiende Macht der Rechtfertigung aus Gnade zu ergreifen“, da sie Gott und ihre mennonitischen Geschwister um Vergebung gebeten habe für das Böse, das ihnen von lutherischer Seite zugefügt worden war.

„Dieser Schritt hat uns in der Überzeugung bestärkt, dass Religion und Gewalt, Glauben und Unterdrückung nicht zusammengehören, sondern einander vielmehr grundsätzlich zuwiderlaufen“, erklärt Junge.
Der Generalsekretär stellt weiterhin fest, es sei ermutigend zu sehen, wie sich die LWB-Mitgliedskirchen weltweit für die Überwindung von Korruption, Unrecht und Gewalt einsetzten, und hebt hervor, ihr Zeugnis gewinne zusätzlich an Wirksamkeit, wenn es in ökumenischer und interreligiöser Zusammenarbeit geschehe.

„Auf dem Weg in das neue Jahr, das Gott vor uns ausbreitet, lade ich Sie alle ein, auch weiterhin Ihr Augenmerk auf das Gute zu richten und so zum Ausdruck zu bringen, wer wir sind: eine Kirchengemeinschaft, die ihren Glauben aus dem Blickwinkel der Rechtfertigungsbotschaft lebt und der die wunderbare Freiheit geschenkt ist, ihre Nächsten anzunehmen und ihnen zu dienen“, so Junge abschliessend.

Den vollständigen Wortlaut der LWB-Neujahrsbotschaft 2011 finden Sie unter: www.lutheranworld.org

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Der LWB ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegründet, zählt er inzwischen 145 Mitgliedskirchen, denen rund 70 Millionen ChristInnen in 79 Ländern weltweit angehören. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. ökumenische und interreligiöse Beziehungen, Theologie, humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit. Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz).
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