Kirchen unterstützen bedrohte koptische Christen in Deutschland - Jantzen verurteilt Anschläge von Alexandria

Nachricht 05. Januar 2011

Hannover/Höxter (epd). Kirchen aus Niedersachsen haben sich solidarisch an die Seite der von Islamisten bedrohten koptischen Christen in Deutschland gestellt. "Wir sind entsetzt über das Attentat von Alexandria und die Aufrufe zu Gewalttaten gegenüber koptischen Gemeinden in Deutschland", sagte der stellvertretende Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Hans-Hermann Jantzen, am Dienstag.

Die hannoversche Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann wird nach epd-Informationen an diesem Donnerstag als offizielle Vertreterin der Landeskirche an der Weihnachtsfeier der koptischen Gemeinde in Lehrte bei Hannover teilnehmen. Auch der Bischof der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), Hans-Jörg Voigt, wird zu der Feier erwartet. Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle sprach den koptischen Christen nach den Anschlägen von Alexandria am Dienstag in einen Brief sein Mitgefühl aus.

Im Internet war von Sympathisanten des Terrornetzwerks Al Kaida zu Angriffen auf Weihnachtsfeiern der Kopten in Lehrte und Frankfurt/Main aufgerufen worden. Dort haben zwei der größten koptischen Gemeinden in Deutschland ihren Sitz. Die aus Ägypten zugewanderten koptischen Christen feiern ihr Weihnachtsfest nach orthodoxem Ritus am 6. und 7. Januar. Die Polizeidirektion Hannover kündigte besonderen Schutz für die Feier in Lehrte an. Die bundesweite Zentrale der Kopten im Kloster Brenkhausen bei Höxter hofft darauf, dass sich zahlreiche Menschen aus Solidarität an den Feiern beteiligen.

Bischofsvikar Jantzen verurteilte in seiner Botschaft an die Kopten den Anschlag von Alexandria: "Wir trauern mit den Angehörigen und den christlichen Brüdern und Schwestern um die Toten und wünschen den Verletzten eine gute Genesung." Die evangelischen Christen seien mit den Kopten im Glauben verbunden. "Wir erwarten, dass die ägyptische Regierung alles tut, um die christliche Minderheit in ihrem Land zu schützen."

Der freikirchliche Bischof Voigt wird an diesem Sonnabend auch an der zentralen bundesweiten Trauerfeier der Kopten für die Opfer des Anschlags von Alexandria in Frankfurt/Main teilnehmen, teilten die Kopten mit. Zu einem Trauergottesdienst am Sonntag im Kloster Brenkhausen bei Höxter hat unter anderen der Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Martin Schindehütte, seine Teilnahme zugesagt.

Der katholische Bischof Trelle schreibt in seinem Brief an Bischof Anba Damian, den höchsten Repräsentanten der koptischen Christen in Deutschland: "Mich persönlich erfüllt der grausame Anschlag mit tiefem Schmerz." Die Katholiken im Bistum Hildesheim trauerten mit ihren koptischen Geschwistern und beteten für sie.

Bei einem Selbstmordanschlag nach einer Messe in Alexandria waren in der Silvesternacht mindestens 21 Menschen getötet worden, Dutzende wurden verletzt. Die Hintergründe der Tat sind unklar. Unter den rund 80 Millionen Ägyptern leben etwa zehn Prozent Christen.

Die koptisch-orthodoxe Kirche existiert seit dem ersten Jahrhundert nach Christus und gehört damit zu den ältesten Kirchen der Welt. In Deutschland zählt die Kirche etwa 6.000 Mitglieder. An ihrer Spitze steht seit 1995 Bischof Damian. Sein Amtssitz ist das "Kloster der Heiligen Jungfrau Maria und des Heiligen Mauritius" in Höxter-Brenkhausen.

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