Kirche sorgt sich nach Dioxin-Skandal um Landwirte

Nachricht 05. Januar 2011

Hannover (epd). Der Landwirtschaftsexperte der hannoverschen Landeskirche, Pastor Karl-Heinz Friebe, sorgt sich nach dem Dioxin-Skandal um die Existenz der Landwirte. "Auch Landwirte, die sauberes Futter verwendet haben, werden ihre Produkte zurzeit nicht los", sagte er am Dienstag in Hannover. Friebe ist Leiter des Referats "Kirchliche Dienst auf dem Lande" der evangelischen Landeskirche.

Am Wochenende war bekanntgeworden, dass ein Unternehmen in Schleswig-Holstein dioxinhaltige Fettsäuren an Futtermittel-Hersteller geliefert hat. Das belastete Futter wurde im November und Dezember an Landwirte in ganz Deutschland verkauft. Niedersachsen sperrte daraufhin rund 1.000 von 55.000 Bauernhöfen im Bundesland.

Die fleischproduzierenden Landwirte stünden ohnehin schon unter Druck, sagte Friebe. In den vergangenen Wochen sei etwa der Preis für Schweinefleisch auf einen historischen Tiefstand gesunken. "Der erneute Image-Schaden ist gewaltig und er trifft die Falschen." Alle Landwirte litten unter dem Skandal.

Der Pastor forderte eine Klärung der Haftungsfrage und entsprechende Entschädigungen für die Landwirte. Außerdem müsse es mehr und bessere Kontrollen durch die Behörden geben. "Die Landwirte müssen darauf vertrauen können, dass sie sauberes Futter bekommen."

Die niedersächsische Verbraucherzentrale forderte unterdessen die Verbraucherministerien der Länder auf, die Betriebsnummern der betroffenen Betriebe zu veröffentlichen. Ein Rückruf der Ware reiche nicht aus, da beispielsweise belastete Eier schon in die Haushalte gelangt sein könnten. Die Betriebsnummern sind auf den Eiern aufgedruckt und können im Internet unter "www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/Ernährung" überprüft werden.

Solange diese Informationen nicht vorliegen, sollten besorgte Menschen nach Ansicht der Verbraucherzentrale keine Eier essen. Auch sollte der Verzehr von "versteckten" Eiern wie in Kuchen, Frikadellen oder Nudeln gesenkt werden.

"Es stellt sich wie bei jedem Lebensmittelskandal wieder die Frage, welche Landwirtschaft wir haben wollen, und was sie uns kosten darf", sagte Friebe. Die Menschen sollten weniger aber dafür besseres Fleisch essen. Der Fall zeige erneut, wie hoch der Preisdruck in der Branche sei. "Solange die Verbraucher Billig-Fleisch in Supermärkten kaufen wird sich daran nichts ändern. Die Menschen müssten endlich wieder lernen, dass Lebensmittel wirklich Mittel zum Leben sind", betonte der Pastor.

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