Diakoniedirektor sieht in Studie zur Gerechtigkeit Alarmzeichen

Nachricht 05. Januar 2011

Hannover/Gütersloh (epd). Der hannoversche Diakoniedirektor Christoph Künkel sieht in der aktuellen Bertelsmann-Studie zur sozialen Gerechtigkeit in Deutschland ein weiteres Alarmzeichen. "Die Studie bestätigt erneut, dass die Armut in Deutschland zunimmt", sagte Künkel am Dienstag dem epd. Nach der am Montag in Gütersloh vorgestellten Studie der Bertelsmann Stiftung belegt die Bundesrepublik bei der sozialen Gerechtigkeit im Vergleich 31 europäischer Staaten lediglich Platz 15.

Defizite gibt es vor allem in den Bereichen Bildung, Arbeitsmarkt und sowie bei der Bekämpfung der Armut. Etwa jedes neunte Kind in Deutschland lebt unterhalb der Armutsgrenze. In Niedersachsen sei sogar jedes siebte Kind von Armut betroffen, sagte Künkel. "Die Frage der sozialen Gerechtigkeit, die niemanden ausschließt, muss auf die Tagesordnung." Alle Menschen sollten für eine solidarische Gesellschaft eintreten.

Von den aktuellen Verhandlungen über die Hartz-IV-Gesetzgebung im Vermittlungsausschuss des Bundestages erhofft sich Künkel ein Ergebnis, dass mehr Bildungsgerechtigkeit schafft. Der bürokratische Aufwand für das geplante Bildungspaket für Kinder in Höhe von rund 700 Millionen Euro müsse möglichst gering gehalten werden: "Das Geld muss bei den Familien ankommen." Künkel befürwortete den Einsatz von Sozialarbeitern an den Schulen, um soziales Miteinander einzuüben und so auch bedürftige Kinder zu unterstützen.

Er wünsche sich, dass sich FDP-Chef Guido Westerwelle beim Dreikönigstreffen seiner Partei am 6. Januar zur sozialen Gerechtigkeit äußere, sagte der Direktor des Diakonischen Werks der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland weiter. Der Ruf nach weiteren Steuererleichterungen und die einseitige Förderung des Leistungsgedankens trügen nicht dazu bei, sozialen Ausgleich herzustellen. "Im Gegenteil, die Schere zwischen Armen und Reichen hat sich der Studie zufolge in den letzten Jahren mehr als in anderen Ländern der OECD geöffnet."

Auch Pastor Christoph Herbold von der Initiative "Zukunft(s)gestalten - Allen Kindern eine Chance" der hannoverschen Landeskirche unterstrich die Dringlichkeit von Hilfen für benachteiligte Kinder. Seit ihrem Start 2008 hat die Initiative Herbold zufolge rund 170 Projekte gegen Kinderarmut gefördert. "Der Bedarf ist weiterhin sehr groß."

Unterstützt würden zum Beispiel Mittagstische, Hausaufgabenhilfen und Projekte der Ferienbetreuung, die Gemeinden oder diakonische Einrichtungen gemeinsam mit Partnern gegründet haben. Nach Angaben des Pastors engagieren sich rund 1.700 Ehrenamtliche in den Projekten. Einzelpersonen und Unternehmen hätten insgesamt mehr als 200.000 Euro für die Initiative gespendet.

Hinweis: Spendenkonto "Zukunft(s)gestalten": Kontonummer 4455555, BLZ 251 205 10 bei der Bank für Sozialwirtschaft

www.zukunftsgestalten.de

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