Bischöfe rufen zum Jahreswechsel zu Neuanfang im Miteinander auf

Nachricht 01. Januar 2011

Hannover/Braunschweig (epd). Evangelische und katholische Bischöfe haben zum Jahreswechsel zu einem Neuanfang im menschlichen Miteinander aufgerufen. "Wir werden das Gute im neuen Jahr nur dann zu seinem Recht kommen lassen können, wenn wir unseren Blickwinkel verändern", sagte der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber in seiner Neujahrspredigt im Braunschweiger Dom. Der evangelische Bischof bezog sich auf die biblische Jahreslosung "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit dem Guten". Gott selbst habe das Böse längst überwunden. Ihm zu liebe sollte das Gute gesucht werden: "Dann wird es möglich, ein bisschen vernünftiger zu leben, ein bisschen sorgsamer mit denen umzugehen, die wir lieben, und behutsamer mit denen, die uns fremd bleiben."

Der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, mahnte in seiner Silvesterpredigt weitere Diskussionen über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr an. Die Debatte, die die frühere hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann vor einem Jahr angestoßen hatte, dürfe nicht verstummen, sagte de Vries am Freitag in Nienburg. Die damalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland hatte durch den Satz "Nichts ist gut in Afghanistan" in einer Neujahrspredigt eine breite gesellschaftliche Diskussion über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr ausgelöst.

De Vries sagte: "Nach wie vor stellt sich die Frage, wie dieser Militäreinsatz zu rechtfertigen ist, wenn so wenig Fortschritt erkennbar ist, so wenig Frieden einkehrt, und der Vorrang der zivilen Hilfe vor dem Militäreinsatz nicht erkennbar ist."

Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle erinnerte in seiner Silvesterpredigt an verfolgte Christen. "Bis zum heutigen Tag werden Menschen ihres Glaubens wegen unterdrückt, terrorisiert und umgebracht", beklagte Trelle am Freitag in Hildesheim. Vor allem die Christenverfolgungen hätten zugenommen. Die grausamen Anschläge im Irak und Nigeria seien nur die Spitze des Eisbergs. Ungefähr 200 Millionen Christen gelten Trelle zufolge weltweit als religiös verfolgt.

Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode ging in seiner Silvesterpredigt auch auf den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche ein. Nach den schweren Erschütterungen gehe es darum, neue Glaubwürdigkeit und neues Vertrauen zu gewinnen. Trotz aller Anfeindungen und allen Misstrauens seien viele Menschen bereit, sich aktiv in der Kirche zu engagieren, sagte Bode am Silvesterabend im Osnabrücker Dom. Das zeigten auch die zahlreichen Briefe und Solidaritätsbekundungen, die er als Bischof erhalten habe. Bei der Suche nach Wegen aus der derzeitigen Krise sei ein "neues Miteinander von Priestern, Diakonen und Laien einer der wichtigsten Wege", unterstrich Bode.

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1.1.2011