"Seelsorger am Wegesrand" - Flughafen-Pastoren haben bei Behinderungen durch Eis und Schnee viel zu tun

Nachricht 20. Dezember 2010

Von Jan Fragel (epd)

Hannover (epd). Motzen, meckern, schlechte Laune - wenn der Flughafen Hannover langsam im Schnee versinkt und kein Flugzeug mehr starten kann, werden die Passagiere zusehends nervöser. "Wenn ihre Flüge verspätet sind oder ganz ausfallen, dann liegen bei manchen die Nerven blank", sagt der evangelische Pastor Ulrich Krämer. Er ist Flughafenseelsorger auf dem Hannover Airport in Langenhagen. Seit den starken Schneefällen der vergangenen Tage haben Krämer und sein Team alle Hände voll zu tun.

Allein am vergangenen Donnerstag und Sonnabend kamen nach Informationen des Flughafens 1.600 Passagiere nicht aus Hannover weg. Einige übernachteten im Flughafen, andere in Hotels in der Nähe. Auch am Montag waren alle Verbindungen nach Frankfurt gestrichen. Ebenso gab es Richtung Paris und London Probleme. In solchen Sitautionen streift sich Krämer seine fliederfarbene Weste mit der Aufschrift "Seelsorger" über und geht durch die Terminals. "Entweder werde ich angesprochen oder ich gehe auf die Leute zu."

Die Flughafenseelsorge sei für viele Passagiere ein Puffer, sagt Krämer. Wenn der erste Frust über mangelnde Organisation und das schlechte Wetter von der Seele geredet ist, ergeben sich manchmal fast intime Gespräche. "Die Fluggäste erleben mich als 'Seelsorger am Wegesrand', den sie nicht unbedingt wiedersehen." Die Menschen schätzten den kurzen Austausch: "Neulich hat uns eine Frau sogar eine Spende von 300 Euro überwiesen." Ihr hatte das Gespräch "am Wegesrand" offenbar besonders gut gefallen.

Durch eine mattierte Glastür mit einem Kreuz gehen die Passagiere in die Flughafenkapelle in der Ankunftsebene zwischen Terminal A und B. "Hier ist jetzt auch mehr los", sagt Krämer. Die Leute blieben länger und er komme auch dort mit ihnen in Kontakt.
Hin und wieder reicht es auch schon, wenn Krämer ihnen nur einen Kaffe ausgibt. "Für die Kinder habe ich immer eine Tüte Gummibärchen im Gepäck."

Manchmal erlebt Krämer als Flughafenseelsorger auch kuriose Geschichten, so zum Beispiel vor zwei Jahren zu Weihnachten. Kurz vor Heiligabend war ein Mann aus dem Libanon auf dem Flughafen aufgetaucht. "Er hatte offenbar seinen Flug verpasst", erzählt Krämer und schon mehrere Tage in den Hallen gelebt. "Über Weihnachten wurde er vom Personal versorgt." Darüber sei er gar nicht unglücklich gewesen. Wie sich später herausstellte, hatte er Stress mit seiner Mutter und musste fast überredet werden, mit dem nächsten Flug kurz nach Neujahr in den Libanon zu fliegen, erzählt der Seelsorger: "Das war fast wie im Film."

Internet: www.kirche-langenhagen.de

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20.10.2010