LWB-Präsident Younan ruft weltweite Gemeinschaft auf, prophetisch zu sein

Nachricht 30. November 2010

Genf, 30. November 2010 (LWI) – Die weltweite lutherische Familie muss zusammenarbeiten, um der gebrochenen Welt zu dienen und sie zu heilen, sagte Bischof Dr. Munib A. Younan, Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB) am 25. November in einer Ansprache in Genf.
„Wir sind aufgerufen, uns dafür einzusetzen, Armut auszurotten, prophetisch gegen Ungerechtigkeit zu sein, Brücken zu bauen zwischen Süd und Nord und Ost und West, unsere Brüder und Schwestern, die leiden oder aufgrund ihres Glaubens diskriminiert werden, zu stärken und Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung zu übernehmen“, sagte Younan.

Das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELKJHL) sprach während eines Abendmahlsgottesdienstes in der Kapelle des Ökumenischen Zentrums in Genf anlässlich der Amtseinführung des neuen LWB-Generalsekretärs Pfr. Martin Junge.
Junge, der im Oktober 2009 zum LWB-Generalsekretär gewählt worden war, war bisher LWB-Gebietsreferent für Lateinamerika und die Karibik in der Abteilung für Mission und Entwicklung (AME). Der ehemalige Präsident der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Chile trat sein Amt am 1. November 2010 an.

Younan sagte, die Wahl Junges zum ersten lateinamerikanischen LWB-Generalsekretär sei ein wichtiger Moment im Leben der weltweiten Gemeinschaft.

„Wenn der LWB einen Generalsekretär und einen Präsidenten aus zwei der kleinsten Mitgliedskirchen des LWB wählt, bedeutet das, dass es in der Gemeinschaft weder Ost noch West gibt; es gibt keine Reichen und weniger Reichen. Es bedeutet, dass unsere Gemeinschaft gesund ist, weil sie bereit ist, Menschen zu wählen, die Gott und den Menschen der Kirche auf der Grundlage der Gaben dienen, die sie von Christus erhalten haben“, sagte der LWB-Präsident bezugnehmend auf seine Dankesrede, die er vor der Elften LWB-Vollversammlung im Juli 2010 in Stuttgart (Deutschland) hielt.

In seinen Reflexionen über den für diesen Anlass ausgewählten Bibeltext aus dem Lukasevangelium sprach Younan von Begleitung und betonte, wie entscheidend es sei, dass „diese Theologie der Begleitung nicht nur diejenigen betreffe, die einer Meinung sind und einen Glauben teilen, sondern auch diejenigen, die einen anderen Glauben oder eine andere Kultur haben, damit wir uns bewusst werden, dass wir aufgerufen sind, der gebrochenen und verwundeten Welt gemeinsam zu dienen“.

„Diese Theologie der Begleitung fordert uns auf, den Weg gemeinsam und mit Demut zu gehen, das Kreuz zu tragen und uns selbst zu verleugnen, die Lasten des oder der anderen zu tragen, gemeinsam das Abendmahl zu feiern und den Christus zu sehen in unserem Gegenüber, dessen Vielfalt wir um des Fortschrittes des Reiches Christi in dieser Welt willen freudig anerkennen“, erklärte Younan.

Anlässlich seiner Amtseinführung schenkte Younan dem neuen Generalsekretär ein Kreuz, das aus einer alten Patronenhülse aus dem Bürgerkrieg in Liberia hergestellt wurde. Er sagte, das Kreuz sei „ein Zeichen, dass wir aufgerufen sind, Frieden zu schaffen und dass Heilung in unserer gebrochenen, globalisierten Welt möglich ist“.
Offizielle Grussworte wurden von Bischof Medardo E. Gómez Soto (Salvadorianische Lutherische Kirche) für die Region Lateinamerika und die Karibik, und von Simangaliso Hove, AME-Referentin für Projektdurchführung, im Namen der LWB-Mitarbeitenden überbracht.

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Der LWB ist eine Gemeinschaft lutherischer Kirchen weltweit. 1947 in Lund (Schweden) gegründet, zählt er inzwischen 145 Mitgliedskirchen, denen rund 70 Millionen ChristInnen in 79 Ländern weltweit angehören. Der LWB handelt als Organ seiner Mitgliedskirchen in Bereichen gemeinsamen Interesses, z. B. ökumenische und interreligiöse Beziehungen, Theologie, humanitäre Hilfe, Menschenrechte, Kommunikation und verschiedene Aspekte von Missions- und Entwicklungsarbeit. Das LWB-Sekretariat befindet sich in Genf (Schweiz).