Stellvertretender Landesbischof warnt vor rechtsextremen Tendenzen

Nachricht 28. November 2010

Hannover (epd). Der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen warnt vor rechtsextremen Tendenzen in der Gesellschaft. Allein in Niedersachsen gebe es rund 600 gewaltbereite Rechtsextreme, sagte Jantzen am Donnerstag vor der Landessynode in Hannover. "Die Diskussion um die populistischen Thesen eines Thilo Sarrazin macht deutlich, dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit nicht nur an den Rändern vorzufinden ist, sondern inzwischen in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist."

Die Landeskirche werde am 10. Dezember in Bad Nenndorf eine Initiative "Kirche für Demokratie - gegen Rechtsextremismus" gründen, kündigte Jantzen in seinem Bericht vor dem Kirchenparlament an. Bereits jetzt gebe es vielerorts solches Engagement, das damit besser vernetzt werden solle. Der Lüneburger Landessuperintendent vertritt seit dem Rücktritt von Margot Käßmann das Bischofsamt in der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland bis voraussichtlich Ende März ein neuer Bischof eingeführt wird.

Jantzen verlangte außerdem eine menschlichere Flüchtlingspolitik. Er begrüße die Pläne der Innenminister, gut integrierten Jugendlichen unabhängig von ihren Eltern ein Aufenthaltsrecht zu gewähren. "Gleichwohl müssen wir als Christen fordern, dass das Bleiberecht junger Menschen nicht allein an 'Nützlichkeitserwägungen' wie guten Schulnoten hängen kann."

In ihrem "Jahr der Bildung", das jetzt zu Ende geht, habe sich die Landeskirche vor allem für Bildungsgerechtigkeit und die Integration benachteiligter Kinder stark gemacht, sagte Jantzen. "Wir wissen heute, wie wichtig die Integration für den sozialen Frieden in unserem Land ist. Die Bildung ist dabei ein entscheidender Schlüssel."

Jantzen, in dessen Kirchensprengel Gorleben liegt, verteidigte das politische Engagement der Kirche etwa für den Atomausstieg. Daran gebe es auch Kritik, räumte er ein. Doch ihr Wächteramt veranlasse die evangelische und katholische Kirche, sich hier einzumischen. "Die Atomenergie ist nicht menschengerecht und wegen ihres zu hohen Schadenpotenzials nicht zu verantworten."

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