"Die Kirche bleibt eine prägende Gemeinschaft" - Der künftige hannoversche Landesbischof Ralf Meister im Interview

Nachricht 25. November 2010

Hannover (epd). Der bisherige Berliner Generalsuperintendent Ralf Meister (48) wurde am Donnerstag zum neuen Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gewählt. Er übernimmt damit die Nachfolge von Margot Käßmann, die in Februar von ihrem Amt zurückgetreten war. Am 26. März 2011 wird Meister in Hannover in sein neues Amt eingeführt. Kurz nach der Wahl gab er den epd-Redakteuren Michael Grau und Ulrike Millhahn ein Kurzinterview:

epd: Herr Meister, stehen Sie als hannoverscher Landesbischof künftig an der Spitze eines Unternehmens, das seine größte Zeit schon hinter sich hat?

Meister: Ich glaube, dass die Kirche nach den Maßstäben von Größe oder Quantität überhaupt nicht eingeordnet werden kann. Die Kirche hat einen Auftrag, der vor 2.000 Jahren für eine kleine Schar Menschen in Israel wichtig geworden ist. Und daraus ist heute die prägende religiöse Gemeinschaft der Welt geworden. Auch in unserem Land, an manchen Stellen seit weit über tausend Jahren. Und wenn diese Gemeinschaft, diese religiöse Tradition heute vielleicht an manchen Punkten weniger Menschen erreicht als vor 20, 80 oder 150 Jahren, hat das in keiner Weise mit Niedergang oder Schwäche zu tun. Das ist eine kulturelle Veränderung, die nichts über die Kraft von Kirche sagt.

epd: Wo sehen Sie die hannoversche Landeskirche in 20 Jahren?

Meister: Ich glaube, dass es mehr Menschen geben wird, die aus einem überzeugten christlichen Glauben ihr Leben und ihr Handeln bestimmen lassen. Nicht nur in Gottesdiensten, sondern vor allen Dingen auch im Alltag und politisch. Und das Zweite: Ich glaube, dass wir noch manche entscheidende Veränderungen in der Organisation erleben werden. Wenn mir jemand vor 20 Jahren erzählt hätte, das es heute deutlich weniger Landeskirchen in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gibt als damals, wäre das schwer zu glauben gewesen. Bestimmte Vereinbarungen zwischen Landeskirchen, die zu einer engen Zusammenarbeit führen, werden sich vielleicht noch intensivieren. Das kann auch in Niedersachsen möglich sein. Ich glaube auch, dass sich die ökumenische Situation sehr deutlich verbessern wird.

epd: Was wird Ihre erste Tat als Landesbischof sein?

Meister: Die persönliche Herausforderung in den ersten Monaten wird sein, die ganze Landeskirche in den Blick zu nehmen. Im Mittelpunkt steht dabei, Menschen zu besuchen und kennenzulernen. Ich traue mir zu, alle 57 Kirchenkreise in den ersten 18 Monaten zu besuchen. In Berlin waren es 220 Kirchengemeinden in sechs Monaten.

epd: Sie sagten einmal, Sie wollten als erstes auf den Brocken steigen und sich die Landeskirche von oben ansehen. Bleibt es dabei?

Meister: Der Nachteil ist ja, dass der Brocken leider nicht zu dieser Landeskirche gehört. Aber natürlich finde ich das toll. Das ist eines der Projekte.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
25.11.2010