Kandidaten für Bischofsamt in Hannover stellen sich in Fernseh-Talkshow vor

Nachricht 21. November 2010

Hannover/Hamburg (epd). Die Kandidaten für das Bischofsamt in Hannover, Wolfgang Gern und Ralf Meister, haben sich am Sonntag bei einer Talkshow auf N3 dem Fernseh-Publikum vorgestellt. Dabei bezeichnete der hessen-nassauische Diakonie-Chef Gern (59) die Integration zugewanderter Menschen als wichtige Aufgabe für die Kirche. Der Berliner Generalsuperintendent Meister (48) nannte als zentrale Aufgabe die kirchliche Arbeit für die Menschen auf den Land. Die Wahlsynode beginnt an diesem Dienstag in Hannover.

Einer der beiden Kandidaten wird die Nachfolge von Margot Käßmann übernehmen, die im Februar als Bischöfin der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland zurückgetreten war. Erstmals hatte der Sender die Kandidaten für das leitende geistliche Amt der hannoverschen Landeskirche zu einer Diskussion vor die Kameras gebeten.

Gern betonte: "Wir könnten Integrationsmotor sein für die Integrationspolitik in unserem Land." Es gebe in Deutschland keine andere Institution, die so viel Erfahrung mit internationaler und interkultureller Arbeit habe wie die Kirchen.

Meister sagte: "Es ist eine wichtige Herausforderung für die Kirche, wie die Zukunft in den ländlichen Räumen aussieht." Sie müsse sich einstellen auf eine Situation, in der die klassische dörfliche Versorgung nicht mehr garantiert sei.

Im Fernseh-Talk zum Thema "Käßmanns Nachfolger gesucht" plädierten beide Kandidaten für ein deutsches Friedensengagement in Afghanistan und kritisierten die vom Bundestag beschlossene Verlängerung der Laufzeiten für Atomkraftwerke. Zurückhaltend äußerten sie sich dagegen zur Frage, ob ein muslimisches "Wortes zum Freitag" analog zum "Wort zum Sonntag" eingeführt werden solle.

"Im Augenblick würde ich weder Ja noch Nein sagen", sagte Gern und verwies auf die Spannungen unter den verschiedenen muslimischen Gruppen. Auch Meister, der seit sechs Jahren selbst zum Kreis der Sprecher gehört, gab sich vorsichtig: "Ich kann mir eine Zukunft vorstellen, in der das möglich ist, sehe sie aber zurzeit noch nicht."

Dem Kirchenparlament, der Synode, gehören 77 Mitglieder an. Die eher progressive "Gruppe Offene Kirche" (GOK) verfügt über 46 Sitze, die eher konservative Gruppe "Lebendige Volkskirche" (LVK) über 31. In den Gruppen gibt es keinen Fraktionszwang. Da beide Synodalgruppen jeden der beiden Kandidaten für geeignet erklärt haben, gilt der Ausgang der Wahl als offen.

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21.11.2010