Landeskirche Braunschweig will ein Fünftel ihrer Pfarrstellen streichen / Braunschweigische Landeskirche hält an Evangelischer Zeitung fest

Nachricht 21. November 2010

Goslar (epd). Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig hat als Folge sinkender Mitgliederzahlen und Kirchensteuer-Einnahmen ein Sparprogramm eingeleitet. Die Landessynode beschloss am Sonnabend zum Abschluss ihrer Tagung in Goslar, bis zum Jahr 2020 die Zahl der Gemeindepfarrstellen von 220 auf 170 zu reduzieren. Die Landeskirche will außerdem ihre Verwaltungs- und Entscheidungsstrukturen überprüfen und reformieren. Der für Finanzen zuständige Oberlandeskirchenrat Jörg Mayer will für diesen Reformprozess externe Berater hinzuziehen. Geplante Kürzungen treffen vor allem die Diakonie und die Frauenhilfe.

Das Landeskirchenamt und die Kirchenregierung hatten ein 19 Seiten umfassendes Papier zur Prioritätensetzung eingebracht. Es geht nach den Worten von Landesbischof Friedrich Weber davon aus, dass die braunschweigische Landeskirche ihre Selbstständigkeit erhalten und in der Fläche präsent bleiben will. Die derzeit 400 Kirchengemeinden sollen allerdings enger zusammenarbeiten oder sich zu größeren Einheiten zusammenschließen.

Unruhe löst das Sparprogramm vor allem beim Diakonischen Werk und bei der Evangelischen Frauenhilfe aus. Der Landesverband der Frauenhilfe ist als eingetragener Verein organisiert, dem rund 6.000 Frauen angehören. Die vorgesehene Streichung des Zuschusses in Höhe von 330.000 Euro bedeute das Aus für den Verband, sagte die Vorsitzende Annakatrin Kynast am Rande der Tagung. Statt der Frauenhilfe sollen eine allgemeine Stelle für Frauenarbeit und ein Projektfonds finanziert werden. Landesbischof Weber warf der Frauenhilfe in der Debatte unter anderem eine mangelnde Kooperation mit der Landeskirche vor.

Das Diakonische Werk soll künftig nur noch mit einer Pauschale von einer Million Euro im Jahr statt mit zwei Millionen Euro unterstützt werden. Hinzu kommen zweckgebundene Zuschüsse in Höhe von 450.000 Euro, erläuterte Oberlandeskirchenrat Peter Kollmar. Die Einsparungen seien vor allem deshalb möglich, weil die Aufgaben der Diakonie als Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege zunehmend auf niedersächsischer Ebene wahrgenommen würden.

Diakonie-Direktor Lothar Stempin sagte dem epd, eine Kürzung in der vorgesehenen Höhe werde zum Abbau der Hälfte des Personals führen. Das Diakonische Werk müsse dann 21 fest angestellte Mitarbeiter entlassen und 16 oder 17 Arbeitsplätze mit befristeten Verträgen streichen.
Synodenpräsident Gerhard Eckels kündigte eine Anhörung mit den Zuschussempfängern an, die noch vor den nächsten Haushaltsberatungen der Synode stattfinden soll. Pfarrer Harald Welge riet dem Landesverband der Frauenhilfe, zu dem Anhörung ein Konzept vorzulegen.

Das Theologische Zentrum in Braunschweig soll nach dem Willen der Landessynode fortentwickelt und mit anderen Bildungseinrichtungen der Landeskirche zusammengeführt werden. Ein Prüfauftrag soll sich mit der Zusammenlegung der Evangelischen Familienbildungsstätten in Salzgitter und Wolfenbüttel befassen. Propst Joachim Kuklik aus Salzgitter wies darauf hin, dass dadurch Zuschüsse des Landes Niedersachsen verloren gingen. Die Arbeit der Familienbildungsstätte in Salzgitter sei angesichts der sozialen Lage der Bevölkerung "bitter notwendig" und dürfe nicht gekürzt werden.

Braunschweigische Landeskirche hält an Evangelischer Zeitung fest

Goslar/Hannover (epd). Die braunschweigische Landeskirche wird sich weiterhin mit einem Zuschuss an der "Evangelischen Zeitung" beteiligen. Die Landessynode lehnte am Sonnabend bei ihrer Tagung in Goslar mit deutlicher Mehrheit den Vorschlag des Finanzausschusses ab, aus der Finanzierung auszusteigen. Zuvor hatte sich an diesem Wochenende bereits die Synode der oldenburgischen Kirche entschieden, die Wochenzeitung weiter zu fördern. Die Zeitung erscheint in den Landeskirchen Braunschweig, Hannover und Oldenburg in Kooperation mit der Kirchenzeitung für Hamburg und Schleswig-Holstein in einer Gesamtauflage von rund 30.000 Exemplaren.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche in Braunschweig kürzt ihren Zuschuss zwar um rund 50.000 Euro, passt sich damit aber dem Schlüssel an, der unter den niedersächsischen Kirchen für die Verteilung von Kosten üblich ist. Das Kirchenparlament folgte mit seinem Votum der Beschlussvorlage seines Medienausschusses. Danach wird sich die Landeskirche in den Jahren 2011, 2012 und 2013 jeweils mit bis zu 65.000 Euro beteiligen.

Der Vorsitzende des Medienausschusses, Propst Andreas Weiß aus Königslutter, sagte in der Diskussion, eine Alternative zur Evangelischen Zeitung sei mit der gleichen Summe nicht finanzierbar. Der Synodale Harald Welge nannte das Angebot, die Zeitung mit einem um 50.000 Euro verringerten Zuschuss fortzuführen, "ein Schnäppchen". Für den Finanzausschuss sagte der Braunschweiger Domprediger Joachim Hempel, wer heute für die Zeitung stimme, müsse morgen auch ein Abonnement unterschreiben. Zur braunschweigischen Landeskirche gehören rund 400 Gemeinden mit etwa 400.000 Mitgliedern im Südosten Niedersachsens. 

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20.11.2010