Landessynode tagt vom 23.-26. November / Wahl des Landesbischofs

Nachricht 17. November 2010

Die 24. Landessynode der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers tritt unter der Leitung von Synodenpräsident Jürgen Schneider von Dienstag, 23. November, bis Freitag, 26. November, zu ihrer VII. Tagung zusammen. Tagungsort ist der Große Saal der Henriettenstiftung in Hannover. Schwerpunkte der Tagung sind die Wahl des Landesbischofs und der Haushalt der Landeskirche. Die Landessynode beginnt am 23. November um 14 Uhr mit dem Eröffnungsgottesdienst in der Kirche des Henriettenstiftes. Die erste Plenarsitzung ist um 15.15 Uhr.

Die Plenumssitzungen der Synode sind öffentlich. Den vollständigen Tagungsplan finden Sie unter www.Landeskirche-Hannover.de/synode/.
 
Über die Tagung wird laufend im Internet unter www.Landeskirche-Hannover.de/synode/ und im Wahlstudio (http://web.me.com/www.ekn.de/Synode) berichtet.
 
Überblick
 
Wahl des Landesbischofs – Ablauf
 
Die 77 Mitglieder der Landessynode wählen in geheimer Wahl ohne Aussprache zwischen den Kandidaten Dr. Wolfgang Gern und Ralf Meister.
 
Der erste Wahlgang ist am Mittwoch, 24. November, um 15 Uhr. Die Stimmen sind voraussichtlich um 16 Uhr ausgezählt.
 
Der gegebenenfalls zweite Wahlgang ist am Donnerstag, 25. November, um 15 Uhr. Die Stimmen sind voraussichtlich um 16 Uhr ausgezählt.
 
In den beiden ersten Wahlgängen muss ein Kandidat mit der Zwei-Drittel-Mehrheit gewählt werden. Falls ein dritter Wahlgang nötig ist, in dem dann die einfache Mehrheit entscheidet, ist dieser für Freitag, 26. November, ca. 12 Uhr vorgesehen. Die Stimmen sind voraussichtlich um 13 Uhr ausgezählt.
 
Nach den Wahlgängen versammelt sich der Kirchensenat, der für den zweiten und auch für den dritten Wahlgang gemeinsam mit dem Landessynodalausschuss seine Vorschläge ändern kann.
 
Bericht des Vorsitzenden des Landessynodalausschusses
 
Jörn Surborg berichtet am Dienstag, 23. November, um ca. 15.30 Uhr über aktuelle Ereignisse seit der letzten Synodensitzung.
 
Kirche und Geld
 
Vizepräsident Dr. Rolf Krämer bringt in der Vormittagssitzung am Mittwoch, 24. November, den Haushaltsplan für die Jahre 2011 und 2012 ein.
 
Bericht des stellvertretenden Landesbischofs vor der Landessynode
 
Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen wird am Donnerstag, 25. November, um 12 Uhr seinen Bericht vor der Landessynode geben.
 
Hannover, 16.11.2010
Pressestelle der Landeskirche
Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher
 

Mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede - Kandidaten für Bischofsamt in Hannover stellen sich "Rededuell" im Fernsehen

Von Ulrike Millhahn (epd)

Hannover/Hamburg (epd). Kontroversen im "Fernseh-Rededuell" der beiden Kandidaten für das evangelische Bischofsamt in Hannover bleiben am Ende aus. Eigentlich wollten Wolfgang Gern und Ralf Meister unterschiedliche Positionen vertreten und sich auch schon mal gegenseitig ins Wort fallen, erzählen sie nach der Aufzeichnung der Sendung "Käßmanns Nachfolger gesucht" bei einem schnellen Kaffee.

Der TV-Talk wird an diesem Sonntag um 14.45 Uhr auf N3 ausgestrahlt, zwei Tage bevor die Wahlsynode in Hannover beginnt. Erstmals hatte ein Fernsehsender zwei Bewerber für das höchste geistliche Amt der Landeskirche zu einer Diskussion vor die Kameras gebeten.

Doch die Schwerpunkte und Pläne des hessen-nassauischen Diakoniechefs Gern (59) und des Berliner Generalsuperintendenten Meister (48) ähneln sich. Oft ergänzen sie sich gegenseitig auf die Fragen von Fernsehpastor Jan Dieckmann, etwa zum Krieg in Afghanistan. Beide finden es wichtig, an der Seite der deutschen Soldaten und ihren Familien zu sein.

Darüberhinaus wünscht Gern sich eine gesellschaftliche Debatte über das Ziel des Krieges, an dessen Ende "ein eigenständiges und friedliches Afghanistan" stehen sollte. Meister betont: "Das Ziel muss immer bleiben, dass der zivile Friedenseinsatz der stärkste Kampf des Evangeliums ist." Es dürfe aber niemals darum gehen, einen gerechtfertigten Krieg zu führen.

Ob er sich vorstellen könne, als Bischof mit Talar und Kreuz eine Demonstration in Gorleben anzuführen, will Dieckmann von Meister wissen. "Mit Talar und Kreuz nicht, aber als Bischof vor Ort zu sein ganz sicher", antwortet er. Die Rolle eines Bischofs müsse eher vermittelnd sein. Auch Gern sieht sich an der Seite der Gemeinden vor Ort. Beide kritisieren die Laufzeitverlängerung der Atomkraftwerke. "Das halte ich für keine gute Lösung", sagt Meister. Gern schätzt das ähnlich ein: "Wir müssen politisch deutlich machen: Senkrecht von oben geht es nicht mehr."

Bei der provozierenden Frage des Moderators nach der Einführung eines muslimischen "Wortes zum Freitag" analog zum "Wort zum Sonntag" in der ARD ringen beide um diplomatische Antworten. "Im Moment würde ich weder Ja noch Nein sagen", so Gern. Er verweist wie Meister auf die großen Unterschiede zwischen den einzelnen muslimischen Gruppen. Auch Meister, der seit sechs Jahren selbst zum Kreis der Sprecher gehört, ist vorsichtig: "Ich kann mir eine Zukunft vorstellen, in der das möglich ist, sehe sie aber zurzeit noch nicht."

Wer nach unterschiedlichen Profilen der beiden Kandidaten sucht, findet sie noch am ehesten in der persönlichen Darstellung. Gern beschreibt sich als "Teamplayer, geprägt durch gute kollegiale Zusammenarbeit". Der Hesse möchte als "Pastor Bischof sein und auch als Bischof Pastor bleiben". Er wünscht sich eine "liebevolle, warmherzige Kirche, die gegen die Frosteskälte unserer Gesellschaft angeht" und sich sozialpolitisch engagiert.

Ralf Meister hält sich mit persönlichen Charakterisierungen zurück. Die erste bischöfliche Aufgabe sieht der gebürtige Hamburger angesichts des enormen Sparprogramms der Landeskirche darin, "nicht mit Ratschlägen zu kommen, sondern diesen Prozess ganz konkret und tröstend zu begleiten". Eine Herausforderung ist für ihn, die Kirchen auf dem Lande zukunftsfähig aufzustellen und die fast 1.000-jährige christliche Kultur in Niedersachsen, "lebendig in diese Zeit zu bringen".

Nachdem die Kameras abgeschaltet sind, amüsieren sie sich darüber, dass sie nun doch eher "brüderlich" miteinander umgegangen sind. Bevor die Familienväter in unterschiedliche Richtungen davon eilen, umarmen sie sich. Beide haben einen randvollen Terminkalender - auch darin unterscheiden sie sich nicht.

Internet: www.ndr.de/kultur/kirche_im_ndr

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Protestantische Vielfalt - Wolfgang Gern und Ralf Meister wollen Bischof in Deutschlands größter Landeskirche werden

Von Michael Grau und Ulrike Millhahn (epd)

Hannover (epd). Wer für das Bischofsamt in Hannover kandidiert, braucht starke Nerven. Das wird auch Wolfgang Gern und Ralf Meister so gehen, wenn sie sich vom 23. November an dem Kirchenparlament zur Wahl stellen. Ihre Vorgängerin Margot Käßmann (52) musste im Juni 1999 drei Tage auf der Gästebank im Muttersaal der Henriettenstiftung ausharren, nachdem sie als Außenseiterin ins Rennen gegangen war. Im dritten Wahlgang erreichte sie schließlich mit sieben Stimmen Vorsprung die nötige Mehrheit gegen ihren favorisierten Mitbewerber, einen angesehenen Kirchenmann.

Nach ihrem Rücktritt wegen einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss im Februar stand die Bischofskanzlei am Maschsee ein dreiviertel Jahr lang weitgehend leer. Jetzt treten der hessen-nassauische Diakoniechef Gern (59) und der Berliner Generalsuperintendent Meister (48) an, die Lücke zu schließen.

Anfang November hat der rheinische Präses Nikolaus Schneider bereits die Nachfolge Käßmanns als Ratsvorsitzender der bundesweiten Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) übernommen. Nun geht es um den regionalen Bischofstitel - einen der wichtigsten, der in Deutschland zu vergeben ist. Denn die hannoversche Landeskirche ist mit knapp drei Millionen Mitgliedern zwischen Harz und Nordsee die größte evangelische Landeskirche in Deutschland. Das Wort des Bischofs von Hannover hat Gewicht im Protestantismus.

Seit rund 450 Jahren sind die Menschen zwischen Ems und Elbe überwiegend lutherisch geprägt. Der frühere Abt des Klosters Loccum nahe der Weser, Gerhard Uhlhorn (1826-1901), beschrieb das geistige Klima in der Landeskirche als "ein bestimmtes und klares, aber mildes und jedem Extrem abholdes Luthertum".

Interessen werden hier ausbalanciert, Entscheidungen nach Möglichkeit im Konsens getroffen. Konservative Hardliner haben es deshalb genauso schwer wie radikale Reformer. "Abgehobene Gedankenspiele finden bei uns wenig Publikum", formulierte der langjährige Präsident des Landeskirchenamtes, Eckhart von Vietinghoff. "Niedersachsen sind nüchterne und darum verlässliche Leute." Dabei räumt die Kirchenverfassung dem Bischof eine vergleichsweise starke Stellung ein, weil er in den meisten kirchenleitenden Gremien den Vorsitz hat.

Die kirchliche Landschaft zeigt eine große Vielfalt. So haben Teile der Lüneburger Heide im 19. Jahrhundert eine fromme Erweckung erlebt, die bis heute lebendig ist. Von Hermannsburg bei Celle aus pflegt das lutherische Missionswerk, gegründet von Pastor Ludwig Harms (1808-1865), seither weltweite Verbindungen. Beeindruckende Kunst und Architektur findet sich auf Schritt und Tritt in Hildesheim: Hier feiert die St. Michaeliskirche derzeit ihr 1.000-jähriges Jubiläum. Der romanische Bau im Stil einer Gottesburg gehört seit 1985 zum Weltkulturerbe.

Pulsierendes Studentenleben ist in Göttingen anzutreffen, wo viele hannoversche Pastoren studiert haben. Turbulent geht es auch im äußersten Nordost-Zipfel der Landeskirche zu: Im Wendland kämpfen zahlreiche Christen gegen die Pläne für ein Atommüll-Endlager in Gorleben, eine Gemeinde wehrt sich dabei auch mit juristischen Mitteln.

Käßmann (52), die zurzeit in den USA weilt, leitete die Landeskirche mit rund 1.400 Gemeinden fast elf Jahre lang und hat sie durch ihren Kurs der Öffnung stark geprägt. Die wortgewandte Theologin, die punktgenau formulieren und alltagsnah vom Glauben sprechen kann, hat die christliche Botschaft vielen Menschen neu nahegebracht und manche sogar motiviert, wieder in die Kirche einzutreten. Durch ihren hohen Bekanntheitsgrad stand auch die Landeskirche immer wieder im Blickpunkt der Öffentlichkeit.

Für ihren Nachfolger, der theoretisch bis zu seinem 70. Geburtstag im Amt bleiben kann, liegt die Messlatte nach Absicht vieler daher hoch. Doch auch in einer anderen Erwartung sind sich alle einig: "Es wird etwas ganz Neues beginnen."

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Das aktuelle Stichwort: Bischofsamt in Hannover

Hannover (epd). Der Landesbischof in Hannover steht an der Spitze der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, der mit knapp drei Millionen Mitgliedern größten evangelischen Landeskirche in Deutschland. Zu ihr gehören rund 1.400 Gemeinden zwischen Harz und Nordsee, Ems und Elbe. Sie umfasst rund drei Viertel Niedersachsens.

Der Bischof vertritt die Landeskirche im kirchlichen und öffentlichen Leben und hat die geistliche Leitung und Aufsicht. Er führt den Vorsitz im Landeskirchenamt, im Kirchensenat und im Bischofsrat mit den sechs Landessuperintendenten. Diese Regelung räumt dem hannoverschen Bischof nach Ansicht von Experten eine starke Stellung und eine Fülle von Gestaltungsmöglichkeiten ein - mehr als in vielen anderen der 22 deutschen Landeskirchen.

Der Bischof ernennt und beruft die Pastoren und Superintendenten. Er hat das Recht, Kirchen einzuweihen und besondere Gottesdienste anzuordnen. Der jeweilige Amtsinhaber wird von der Landessynode gewählt, dem Kirchenparlament mit derzeit 77 Delegierten. Die Amtszeit endet bisher spätestens mit dem 70. Geburtstag. Die Synode diskutiert zurzeit über eine Amtszeitbegrenzung von zehn Jahren.

Die hannoversche Landeskirche hatte bisher vier Bischöfe und eine Bischöfin, nachdem das Amt 1925 begründet wurde. Amtsinhaber waren: August Marahrens (1925-1947), Hanns Lilje (1947-1971), Eduard Lohse (1971-1988), Horst Hirschler (1988-1999) und Margot Käßmann (1999-2010). Lohse und Käßmann waren zeitweise zugleich Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

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Hintergrund: Die Bischofswahl kann bis zu drei Tage dauern

Hannover (epd). Der hessische Diakonie-Chef Wolfgang Gern (59) oder der Berliner Generalsuperintendent Ralf Meister (48): Bei der Synodentagung vom 23. bis 26. November entscheidet sich, wer in den nächsten Jahren als Bischof an der Spitze der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers stehen wird. Die Landessynode wählt während ihrer Tagung in Hannover einen Nachfolger für Margot Käßmann, die im Februar zurückgetreten war.

Von Mittwoch bis Freitag sind drei Wahlgänge möglich, zwischen denen jeweils zwölf Stunden liegen müssen. In den ersten beiden Wahlgängen ist eine Mehrheit von zwei Dritteln der Synodalen nötig. Zurzeit gehören dem Kirchenparlament 77 Mitglieder an. Es sind also 52 Stimmen erforderlich. Im dritten Wahlgang genügt die einfache Mehrheit von 39 Stimmen.

Wird im ersten Wahlgang keine Mehrheit erreicht, tritt der Kirchensenat zusammen. Er kann für den zweiten Wahlgang seinen Vorschlag ändern, muss es aber nicht. Kommt auch im zweiten Wahlgang keine Mehrheit zustande, ist erneut eine Änderung des Wahlvorschlages möglich.

Die Kandidaten für das Bischofsamt in der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland hatten sich den Mitgliedern des Kirchenparlaments bei zwei nichtöffentlichen Treffen vorgestellt. Bei der Wahlsynode selbst wird ohne Aussprache geheim abgestimmt. So sieht es die Kirchenverfassung vor.

Die Synodalen gehören jeweils einer von zwei Gruppen an, der eher konservativen Gruppe "Lebendige Volkskirche" (LVK) und der eher progressiven "Gruppe Offene Kirche" (GOK), von denen die GOK die größere ist. In den Gruppen gibt es keinen Fraktionszwang. Da beide Synodalgruppen jeden der beiden Kandidaten für geeignet erklärt haben, gilt der Ausgang der Wahl als offen.

In der Landeskirche werden Bischöfe auf Lebenszeit gewählt. Zwar arbeitet die Synode an einer Neuregelung, die für das Bischofsamt und für Landessuperintendenten eine Amtszeitbegrenzung auf zehn Jahre vorsieht. Noch gibt es dafür aber keine Beschlüsse.

Die hannoversche Landeskirche ist mit knapp drei Millionen Mitgliedern in rund 1.400 Gemeinden zwischen Harz und Nordsee die größte evangelische Landeskirche in Deutschland. Sie umfasst drei Viertel Niedersachsens.


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Acht Kandidaten und sechs Wahlen in 85 Jahren - Seit 1925 werden in der evangelischen Landeskirche Hannovers Bischöfe gewählt

Von Charlotte Morgenthal (epd)

Hannover (epd). Zum zweiten Mal in der Geschichte der hannoverschen Landeskirche haben die Kirchenparlamentarier in der kommenden Woche die Wahl zwischen zwei Kandidaten für das Bischofsamt. Der hessen-nassauische Diakoniechef Wolfgang Gern (59) oder der Berliner Generalsuperintendent Ralf Meister (48) wird dann die Nachfolge von Landesbischöfin Margot Käßmann (52) antreten. Sie hatte das Amt im Februar nach elf Jahren niedergelegt.

Im Juni 1999 konnten sich die Synodalen erstmals in der 74-jährigen Geschichte der Landeskirche zwischen zwei Kandidaten entscheiden. Margot Käßmann war zudem die erste weibliche Bewerberin. Ihr Gegenkandidat war der damals 55-jährige Stader Landessuperintendent Jürgen Johannesdotter. In den ersten beiden Wahlgängen stimmten zwar mehr Kirchenparlamentarier für die 41-jährige Theologin, die erforderliche Zwei-Drittel-Mehrheit erreichte sie allerdings nicht.

Bischofswahlen gibt es in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers seit 1925. Bis zur Trennung von Kirche und Staat am Ende des Ersten Weltkriegs 1918 war der Landesherr, etwa der König, gleichzeitig der höchste Kirchenrepräsentant.

Der 50-jährige Stader Generalsuperintendent August Marahrens (1875-1950) war 1925 der erste und einzige Kandidat, den ein Gremium leitender Theologen zur Wahl vorschlug. Nach außen sollte mit einem einheitlichen Ergebnis ein starkes Bild der Kirche vermittelt werden, sagt der landeskirchliche Archivdirektor Hans Otte. Marahrens trat 1947, zwei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs, auf Drängen der britischen Besatzungsmacht wegen seiner mangelnden Distanz zur NS-Herrschaft zurück.

Sein Nachfolger Hanns Lilje (1899-1977) galt als Mann des Widerstands, der nach den Anschlägen auf Hitler vom 20. Juli 1944 vom NS-Regime verhaftet worden war. Als ehemaliger Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes sei Lilje weltoffen gewesen, sagt Otte. Er habe viele Sprachen gesprochen und ökumenische Kontakte gepflegt. Die Synodalen wählten den 48-Jährigen 1947 einstimmig zu ihrem neuen Landesbischof.

Lilje, der 24 Jahre Bischof blieb, habe das Amt stark geprägt, so Otte. "Abschied des Grand Old Man des Protestantismus", titelte der epd 1971. In der bisher eher einheitlichen Synode ohne Fraktionen hatte sich Ende der 1960er Jahre eine liberale "Gruppe offene Kirche" (GOK) gegründet, die das Kirchenparlament beeinflussen sollte. "Die geheime Suche nach den Kandidaten und das Verhandeln standen immer im Geruch des Mauschelns", sagt Otte.

Der Kirchensenat erwog mehrere Kandidaten, schlug aber am Ende wieder nur einen vor: Eduard Lohse, damals 46. Der Theologieprofessor und Rektor der Göttinger Universität wurde im ersten Wahlgang gewählt. 17 Jahre später, 1988, trat er in den Ruhestand. Bischöfe können in Hannover bis zum 70. Geburtstag im Amt bleiben. Derzeit diskutiert das Kirchenparlament eine Begrenzung auf zehn Jahre.

Bei der Wahl 1988 waren die meisten Synodalen neu im Kirchenparlament. Und abermals stellte der Kirchensenat nur einen Kandidaten auf: Horst Hirschler. "Wahl ohne Spannung", titelte der "Rheinische Merkur" am 18. März 1988. Synoden-Präsident Eckart Krömer verteidigte die Vorgehensweise. Die Kirche sei "kein ausschließlich demokratisch gefasstes Gebilde". Sie könne sich bei der Berufung ihrer Führungskräfte nicht nur nach weltlichen Maßstäben richten, sagte er der Zeitung.

Der 54-jährige Hirschler wurde mit 71 von 93 Stimmen ebenfalls im ersten Wahlgang gewählt. Die von den Frauen bevorzugte feministische Theologieprofessorin Luise Schottroff schaffte es nicht bis auf den Wahlaufsatz. Rund 50 Frauen verteilten nach der Wahl Rosen an die Synodalen - mit dem Wunsch nach einer Kirche, die ihre höheren Ämter auch für Frauen öffnet.

Dieser Wunsch sollte elf Jahre später in Erfüllung gehen. Ende 1998 kündigte der 65-jährige Hirschler seinen Rücktritt an. Im Juni 1999 hatte die Synode dann erstmals eine echte Wahl zwischen zwei Kandidaten. Im dritten Durchgang erhielt Käßmann die benötigte einfache Mehrheit von 52 Ja- und 45 Nein-Stimmen.

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