Leitende Theologen fordern Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit

Nachricht 17. November 2010

Hannover/Bremen (epd). Leitende Theologen aus Niedersachsen und Bremen haben anlässlich des Buß- und Bettages am Mittwoch mehr Einsatz für Frieden und soziale Gerechtigkeit gefordert. Der geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, rief zur Überwindung von Kriegen und Gewalt auf. Der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Renke Brahms, warnte in seiner Predigt in Bremen: "Die Spaltung in enorm reich und deutlich arm nimmt zu."

Manche Konzerne und Manager machten trotz der Finanzkrise wieder enorme Gewinne, sagte der leitende Bremer Theologe Brahms. Auf der anderen Seite stünden die leeren Kassen der öffentlichen Hand, aus denen für jeden Hartz-IV-Empfänger gerade einmal fünf Euro mehr verteilt werden sollten.

Der Schriftführer der Bremischen Evangelischen Kirche unterstrich: Der Glaube, dass das Wachstum der Wirtschaft schon alles regeln werde, habe sich als Irrglaube erwiesen. "Auf dem Altar des Wachstums werden Lebensschicksale von Kindern und Familien am armen Ende der Gesellschaft geopfert." Es sei dringend Zeit für eine Umkehr.

De Vries sprach in einem Gottesdienst zum Ende der diesjährigen "Friedensdekade" unter dem Motto "Es ist Krieg. Entrüstet euch!" Angesichts der Friedlosigkeit in vielen Ländern sei "Entrüstung" geboten, sagte er in der Marktkirche in Hannover. Deutschland sei inzwischen der größte Exporteur für militärische Güter in Europa und weltweit auf einem unrühmlichen dritten Platz. "Dass Waffenexporte nicht dazu dienen, instabile Verhältnisse zu stabilisieren, dass sollten wir doch am Irak und am Iran, aber auch in Pakistan und in Afrika gelernt haben."

Die hannoversche Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann kritisierte in einem Gottesdienst für Abgeordnete und Mitarbeiter des niedersächsischen Landtags in Hannover ungleiche Bildungschancen. Kinder von Hartz-IV-Empfängern oder Zuwanderern hätten deutlich schlechtere Voraussetzungen. Bildungswege seien abhängig von den Eltern. Spieckermann appellierte an die soziale und politische "Gemeinschaftsverantwortung" der Bürger.

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17.11.2010