Medienexperten warnen bei Krisen: Die Zeit des Mauerns ist vorbei

Nachricht 15. November 2010

Verden (epd). Kirchliche Medienarbeit in Zeiten einer Krise kann nach Auffassung von Experten nur offensiv und transparent geschehen. "Die Zeit des Mauerns ist vorbei, auch wenn viele es noch nicht begriffen haben", sagte der Pressesprecher der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Johannes Neukirch, am Montag in Verden bei Bremen. "Krisen unter den Teppich zu kehren, das gelingt nicht", warnte im Verlauf einer landeskirchlichen Fachtagung auch der Chefredakteur der Allgemeinen Zeitung in Uelzen, Marc Rath.

Ob es sich nun um Missbrauchsfälle, den Verkauf von Kirchen oder "ungedeihliche Zusammenarbeit" in einer Kirchengemeinde handelt: "Transparenz im Umgang mit den Medien ist in Krisen das oberste Gebot", bestätigte die Bremer Kommunikationsberaterin Beate Hoffmann. Oftmals setze das Krisen-Management aber zu spät ein. "Viele Konflikte entwickeln sich schleichend. Es kommt darauf an, frühzeitig einzugreifen, Dialogbereitschaft zu üben und ein Gesicht zu bestimmen, das sich in der Öffentlichkeit äußert."

"Nicht in Aktionismus verfallen, sondern frühzeitig eine Krisen-Strategie entwerfen", riet Hoffmann. Rechtlich gesehen sind den Auskünften gegenüber anfragenden Journalisten nach den Worten von Oberlandeskirchenrat Rainer Mainusch allerdings an manchen Stellen Grenzen gesetzt. "Und zwar da, wo sie Persönlichkeitsrechte berühren und Ermittlungen geschützt werden müssen." Wenn etwa in einem Missbrauchsfall zu früh zu viel gesagt werde, könne dies Zeugen beeinflussen. Zudem sei manchmal die Kirche gar nicht zuständig.

Bei Straftaten sei die Staatsanwaltschaft erste Anlaufstelle für Journalisten, erinnerte Mainusch, der im hannoverschen Landeskirchenamt die Rechtsabteilung leitet. "Dann kommt es auf eine gute Zusammenarbeit mit den Strafermittlungsbehörden an."

Die Kirche sei heutzutage gut beraten, ihre Botschaft über alle medialen Kanäle zu verbreiten, sagte der landeskirchliche Dezernent für Öffentlichkeitsarbeit und Publizistik, Rainer Kiefer. "Wir nutzen dazu Tageszeitung genauso wie Radio und Fernsehen, Internet, Messeauftritt und Kampagne, Fahrgastfernsehen und rotes Sofa." Die Kirche dürfe es nicht lassen, vom christlichen Glauben zu reden, der Orientierung, Perspektive und Halt gebe. Kiefer: "Wir wollen unser Licht nicht unter den Scheffel stellen."

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15.11.2010