Bundesminister Philipp Rösler Festredner beim 25. Freundesmahl in der Diakonie Himmelsthür

Nachricht 14. November 2010

Hildesheim. Der Bundesminister für Gesundheit war bester Laune. Dass die beiden letzten Tage anstrengend waren, dass er für das neue Arzneimittelgesetz und die Gesundheitsreform viel Prügel eingesteckt hat, dass die Bühne an diesem Abend kleiner war als jene, auf denen er sich sonst bewegt: All das war Philipp Rösler in keiner Weise anzumerken. Hellwach und voller Humor bewältigte er seine Aufgabe als Festredner beim 25. Freundesmahl in der Diakonie Himmelsthür.

Nichts weniger als „Das Gesundheitssystem der Zukunft“ stand auf der Tagesordnung, ergänzt um den Zusatz „Eigenverantwortung und Solidarität“. Dass beides keine Gegensätze sein müssten, sei ja klar, sagte Walter Meyer-Roscher, Gastgeber und Vorsitzender der Freunde der Diakonie Himmelsthür in Hildesheim. Denn: „Grundsätzlich sind wir uns alle einig, Schwache und Kranke sind in die Gesellschaft einzubeziehen.“ Doch „für alle Seiten annehmbare Lösungen zu finden, wird offenbar immer schwieriger“, so Walter Meyer-Roscher.

Ulrich Stoebe, Direktor der Diakonie Himmelsthür, knüpfte vor 240 Gästen in der ausverkauften Sorsumer Ernst-Kipker-Sporthalle mit der Forderung an: „Wir müssen Antworten finden, die heute, morgen und auch noch übermorgen verantwortbar sind.“ Politik müsse den einzelnen Menschen im Blick behalten – und nicht nur eine gut funktionierende Gesundheitsindustrie.

Mit zwei frisch verabschiedeten Gesetzen im Rücken, zeigte sich Bundesminister Philipp Rösler selbstbewusst. Ihm gehe es darum, Bürokratie abzubauen, sagte er. „Gesellschaftliche Lösungen sind eigentlich immer stärker als staatliche“, so der FDP-Politiker. Dass die Patienten künftig mehr Eigenverantwortung übernehmen sollen, könne zur Qualitätssteigerung im Gesundheitswesen beitragen.

Es bedeute aber nicht, dass der Grundsatz der Solidarität aufgegeben werden solle, sagte Rösler. Nur müsse der soziale Ausgleich über das Steuersystem geregelt werden – nicht innerhalb des Gesundheitswesens, das damit überfordert sei und an einer Überregulierung leide. Von diesen vielen Regeln, die letztlich Ausdruck eines Misstrauens seien, müsse man wegkommen. „Sonst läuft man Gefahr, dass der Computer die Entscheidung über die Behandlung trifft und nicht der Therapeut.“

Solche inhaltlichen Aussagen garnierte der Minister reichlich mit Bonmots und Anekdoten: „Viele wissen: Ich war nicht der beste Arzt“, erzählte er schmunzelnd und fügte gleich noch eine Lehre aus seiner kurzen Zeit als Mediziner hinzu: „Gesunde Menschen gibt es nicht, sondern nur schlecht untersuchte.“ Mit der Tatsache, dass er in der Beliebtheitsskala der Politiker ganz unten steht, kokettierte Rösler regelrecht. Und er nutzte die Chance, den „jungen Schnöseln in der Politik“ eins überzuziehen, „Ecki und mich einmal ausgenommen“ – unter der zahlreich im Saal vertretenen Politprominenz befand sich auch Staatsminister Eckart von Klaeden.

So war es ein kurzweiliges Freundesmahl mit einem sehr unterhaltsamen Bundesminister. Das Politikgeschäft ist oft eher kurzlebig als kurzweilig, und sollte die Laufbahn doch einmal nicht wie gewünscht verlaufen, könnte Philipp Rösler leicht ins Entertainment-Fach wechseln.

(Ralf Neite, Kultur und Kommunikation, www.kultundkom.de)
14.11.2010