EKD-Referent Hahn: Jugendmedienschutz nicht verschärfen

Nachricht 14. November 2010

Hannover (epd). Der Medienreferent der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Udo Hahn, hat sich gegen eine Verschärfung des Jugendmedienschutzes ausgesprochen. Es komme darauf an, dass alle für den Jugendmedienschutz Verantwortlichen ihre Verantwortung auch wahrnähmen, sagte Hahn dem epd. Eine Debatte über den Jugendmedienschutz sei notwendig, aber sie werde häufig an "fragwürdigen Beispielen" geführt.

In der Öffentlichkeit werde über den Jugendmedienschutz "oft oberflächlich und anhand einzelner Phänomene diskutiert - wie etwa im Streit über die sogenannten Killerspiele", kritisierte Hahn. Er wünsche sich, "dass Erwachsene sich mehr für den Medienkonusm ihrer Kinder interessieren". Nur wenn Elternverantwortung, Freiwillige Selbstkontrolle und Ausbildungseinrichtungen sinnvoll zusammenarbeiteten, sei das Jugendmedienschutz-System erfolgreich.

Die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" hatte kürzlich den Vorwurf erhoben, die Prüfer der Freiwilligen Selbstkontrolle der Filmwirtschaft (FSK) gäben Filme zu leichtfertig für Jugendliche ab zwölf Jahren frei. Den Vorwurf, es werde zu lau prüft geprüft, wies Hahn entschieden zurück. Die Prüfer der FSK arbeiteten sehr gewissenhaft, sagte er. Das System der Altersklassifizierung dürfe aber nicht als "pädagogisches Werturteil" missverstanden werden. Hahn ist Mitglied der Grundsatzkommission der FSK und des Kuratoriums der Freiwilligen Selbstkontrolle Fernsehen (FSF).

Die RTL-II-Sendung "Tatort Internet", in der Reporter mit verdeckten Recherchen mutmaßliche Pädophile im Internet aufspüren, habe eine "wichtige gesellschaftliche Debatte entzündet", sagte Hahn. Allerdings zeige sich hier auch, dass manche Themen für bestimmte Formate nicht geeignet seien. Bei anderen Fernsehsendungen wie "Deutschland sucht den Superstar" oder "Germany's Next Topmodel" frage er sich, "ob die hier zum Ausdruck kommenden Werte junge Menschen in ihrer Entwicklung wirklich stärken".

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14.11.2010