Landeskirche Schaumburg-Lippe will bei Konferenz über ihre Zukunft beraten

Nachricht 12. November 2010

Bückeburg (epd). Die schaumburg-lippische Landeskirche will bei einem "Zukunftstag" im Januar über die künftigen Schwerpunkte ihrer Arbeit beraten. "Wir wollen angstfrei diskutieren, wie die Zukunft unserer Kirche aussehen soll", sagte Landesbischof Karl-Hinrich Manzke (52) am Freitag in Bückeburg im epd-Gespräch nach rund einem Jahr im Amt. Dabei werde es unter anderem um die Frage gehen, ob die evangelisch-lutherische Landeskirche eher eigenständig bleiben oder enger mit den benachbarten Kirchen zusammenarbeiten wolle.

Die Kirche im nördlichen Landkreis Schaumburg ist mit rund 61.000 Mitgliedern in 22 Gemeinden die zweitkleinste evangelische Landeskirche in Deutschland. Ihre Synode trifft sich am Wochenende in Bückeburg. Anlass für den geplanten "Zukunftstag" sei unter anderem die Debatte um eine einheitliche evangelische Kirche in Niedersachsen im vergangenen Jahr, erläuterte Manzke. Derzeit bestehen in Niedersachsen fünf selbstständige Landeskirchen.

Eine Zukunftskonferenz sei aber auch von der inneren Entwicklung der schaumburg-lippischen Kirche her notwendig, sagte Manzke. Sie verliere durch die demografische Entwicklung und in geringerem Maß auch durch Austritte Mitglieder: "Wir werden kleiner." An der Konferenz sollen rund 60 Vertreter des kirchlichen Lebens und 20 Gäste von außerhalb teilnehmen. "Über die Zukunftsfragen sollen nicht fünf bis sieben Leute allein entscheiden", betonte der Bischof. "Wir wollen die Menschen dabei mitnehmen."

Schaumburg-Lippe habe ein lebendiges kirchliches Leben, bilanzierte Manzke. Die Menschen identifizierten sich stark mit der Kirche und beteiligten sich rege an den kirchlichen Angeboten. Der Gottesdienstbesuch liege mit zehn Prozent der Mitglieder ungewöhnlich hoch. Bezogen auf die Gesamtbevölkerung im Landkreis repräsentiere die Landeskirche 70 Prozent der Bürger. Manzke führte dies unter anderem auf einen ungewöhnlich guten Betreuungsschlüssel zurück, nach dem derzeit ein Pastor auf rund 1.700 Gemeindeglieder komme.

Im Kirchenkreis Aurich, in dem Manzke zuvor arbeitete, liege dieser Schlüssel bei 1 zu 3.000. Allerdings müsse Schaumburg-Lippe als kleine Kirche keine überregionalen Einrichtungen vorhalten wie die Nachbarkirchen Hannover, Braunschweig oder Oldenburg, räumte der Bischof ein. Auch sei die Kirche noch nicht ausreichend mit öffentlichen Institutionen wie dem Handwerk, der Landwirtschaft oder den Schulen vernetzt. "Hier müssen wir uns noch verbessern."

Die Besonderheit der Landeskirche Schaumburg-Lippe, die aus einem ehemaligen Fürstentum hervorging, habe sich historisch so ergeben, sagte Manzke. "Warum sollten wir ein handlungsfähiges System mutwillig beenden?" Manzke (52) hatte im Januar das Bischofsamt in Bückeburg als Nachfolger von Jürgen Johannesdotter übernommen, der in den Ruhestand ging.

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12.11.2010