1000 Jahre St. Michaelis gehen zu Ende…

Nachricht 11. November 2010

Ein tausendjähriges Gründungsjubiläum einer Kirche, die zum Weltkulturerbe der UNESCO gehört, ist ein besonderes Ereignis. Hildesheim stand von Januar bis November 2010 ganz im Zeichen des Jubiläumsjahres Michaelis 2010, das weit über die kirchlichen und städtischen Grenzen hinaus Beachtung gefunden hat.

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers, der Kirchenkreis Hildesheim- Sarstedt und die Kirchengemeinde St. Michaelis haben gemeinsam die Jubiläumsidee erarbeitet, das Projektbüro im Gemeindehaus der Michaeliskirche wurde mit 1,5 hauptamtlichen Personalstellen geführt, hinzu kommen rund 120 Ehrenamtliche, ohne die das Jubiläumsjahr nicht durchführbar gewesen wäre. Sie waren das Jahr hindurch als EMMIS (Ehrenamtliche Mitarbeiter an Michaelis) im Cateringteam, den täglichen Mittagsandachten oder auch im „Kirchenpädagogischen Dienst“, einem Angebot für Kinder und Jugendliche, tätig. Zentral war die ökumenische Ausrichtung des Jubiläums: „Das Ganze fand stets in enger und vertrauensvoller Abstimmung mit den katholischen Partnern statt, ohne die das Jubiläumsjahr ebenfalls nicht hätte stattfinden können“, beschreibt Superintendent Helmut Aßmann die Zusammenarbeit von evangelischer und katholischer Kirche.

Von zentraler Bedeutung für das Gelingen des Jubiläums war darüber hinaus die enge Kooperation mit der Stadt Hildesheim sowie mit den Kultur- und Bildungseinrichtungen aus Stadt und Landkreis. Insgesamt haben sich 58 Kooperationspartner an dem Jubiläumsprogramm beteiligt, ein im Rückblick hoch erfreuliches Ergebnis.

Über 5.500 Menschen aus Stadt, Region und der gesamten Landeskirche Hannovers haben sich aktiv an dem Jubiläumsprogramm beteiligt: die Beteiligung reichte von der Mitwirkung bei Projektchören und Theaterprojekten bis zu Hochschulprojekten oder ehrenamtlichen Stadtführungen. Pastorin Nora Steen betont: „Durch diese hohe Beteiligung verschiedenster Gruppen und Initiativen haben wir unser Ziel erreicht, mit dem Jubiläumsprogramm möglichst viele unterschiedliche Zielgruppen anzusprechen.“

Rund 140.000 Menschen wurden als Besucher bei den insgesamt 130 Veranstaltungen sowie den 252 Mittagsgebeten, Gottesdiensten und anderen regelmäßigen Angeboten gezählt. Über die Gesamtbesucherzahl in der Kirche sind keine genauen Daten aus direkten Zählungen vorhanden. Mit Rückgriff auf die Daten von Hildesheim Marketing wird mit über einer halben Million Menschen gerechnet, für die Michaelis 2010 zwischen Januar und November der Anlass für eine Reise nach Hildesheim war.

In Anbetracht eines kirchlichen Grundetats von nur 220.000 Euro und der deshalb sehr eingeschränkten Möglichkeiten für Werbemaßnahmen konnte eine erstaunliche Öffentlichkeit über die Region und auch die Grenzen Deutschlands hinaus erzielt werden.

Das Jubiläum ist hinsichtlich des Einzugsgebietes aber vor allem ein regionales Ereignis gewesen. Die Erhebungen zeigen, dass etwa bei den Konzerten rund 75% der Besucher aus einem Bereich von 150 km um Hildesheim herum kommen. Das zeigt, in welchem Umfang Hildesheim auch aus den Großstädten in unmittelbarer Nähe Attraktionen auslösen kann. Außerdem ist damit eines der wichtigsten Ziele des Jubiläumsjahres erreicht: möglichst viele Menschen aus dem Nah- und Regionalbereich mit St. Michaelis bekannt zu machen und ein Bewusstsein für die Bedeutung dieses spirituellen Kulturgutes zu wecken.

Die gezielte Ansprache von kirchlichen Gruppen hat sich für Stadt und Kirche ebenso bewährt. Aus den Kirchengemeinden ganz Niedersachsens haben sich zahlreiche Gemeinden zu Besuchen nach Hildesheim und St. Michaelis aufgemacht.

„Besonders die neuen und unerwarteten Kooperationsstrukturen mit 58 Institutionen aus Stadt, Kultur und Kirche sind für das Jubiläumsjahr ein großer Erfolg“, so Landessuperintendent Eckhard Gorka. „Das betrachten wir als ein wichtiges Pfund für die weitere Zusammenarbeit.“

Auch der Kirchenraum selbst wurde zu einem Veranstaltungsraum für unterschiedlichste Zielgruppen. Die Spannweite reichte von klassischen Kirchenkonzerten bis zu Rock-und Popkonzerten, von Kunstinstallationen bis zu wissenschaftlichen Symposien. Auf diese Weise konnte die Michaeliskirche als inspirierender Ort für verschiedene Interessen, Auseinandersetzungen, Kulturen und Generationen (wieder-) entdeckt werden. Die großen Zentralveranstaltungen der Landeskirche haben das immer wieder bestätigt.

Das Jubiläumsjahr hat nachhaltige Folgen: es wird auch weiterhin Mittagsandachten in der Michaeliskirche geben, und auch der im Rahmen des Jubiläums entwickelte Ökumenische Stadtpilgerweg wird weitergeführt. Der Michaelistag wird als ökumenischer Tag weiterentwickelt. „St. Michaelis ist als Ort von Gastgeberschaft für Reisende entdeckt worden, das wollen wir in Zukunft weiter ausbauen“, so Dirk Woltmann, Pastor der Michaelisgemeinde. Das Jubiläumsjahr Michaelis 2010 hat deutlich gemacht, dass es nicht allein die finanziellen Möglichkeiten sind, an denen der Erfolg eines Projektes hängt. Durch die Beteiligung vieler Institutionen und Vereine war es möglich, ein buntes und vielschichtiges Programm zu entwickeln, dessen Reiz nicht allein darin liegt, hochkarätige Persönlichkeiten nach Hildesheim eingeladen zu haben, sondern die Stadt als kulturelles und kirchliches Zentrum in Niedersachsen neu zu präsentieren.

(Nora Steen)