Pressemitteilungen von der EKD-Synode (10.11.2010)

Nachricht 11. November 2010

„Gott ist unsre Zuversicht und Stärke“ / Ratsvorsitzender Schneider predigt zum Beschluss der EKD-Synode

Der Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, hat im Abschlussgottesdienst der dritten Tagung der 11. Synode der EKD einen hoffnungsvollen Ausblick auf die Zukunft der Kirche geworfen. Schneider sagte in seiner Predigt in der Elisabethkirche zu Langenhagen, er erlebe die Kirche zurzeit als Gemeinschaft, die nach „neuen Wegen und Strukturen“ suche, sich den Problemen der fortschreitenden Säkularisierung, des demographischen Wandel und der religiösen Pluralität stelle und die „an den unruhigen Zeiten von Menschen und unserer Gesellschaft“ teilnehme.

Der Ratsvorsitzende nahm in seiner Predigt Bezug auf ein Wort aus dem 46. Psalm: „Gott ist unsere Zuversicht und Stärke, eine Hilfe in den großen Nöten, die uns getroffen haben, darum fürchten wir uns nicht“. Die Kirche Jesu Christi, so Schneider, sei immer dann am stärksten, wenn sie „leidenschaftlich und in Mitleidenschaft“ bei den Menschen ist und Ihnen bezeuge: „Gott schenkt ein ruhiges Herz, ein gewisses Herz in unruhigen Zeiten!“

Ein ruhiges Herz, so Schneider weiter, sei zugleich eine „realistische Weltsicht“ und eine „zuversichtliche Lebenshaltung“. Zwar würden die Schrecken und Nöte der Welt „nicht ausgeblendet, weichgezeichnet oder schön geredet“, aber eine „vertrauensvolle Lebensbindung an Gott“ schenke „ Kraft und Zuversicht“, um mit „ambivalenten Erfahrungen in der Welt, in unserer Kirche und in uns selbst zu leben.“

Der Glaube an Christi Kreuz und Auferstehung, so Schneider weiter, sei „Zuversicht und Stärke in allen Nöten“, weil sich der Mensch in diesem Glauben gewiss werden könne, dass alle Siege des Todes nur „vorläufige Siege“ seien. In der Nachfolge Jesu Christi könnten Christen deshalb immer wieder innere Ruhe und Lebenszuversicht gewinnen „trotz aller und in allen Schrecken dieser Welt, trotz aller und in allen Schrecken unseres persönlichen Lebens“. Deshalb, so der Ratsvorsitzende, hörten Christen nicht auf, „zu glauben, zu lieben und zu hoffen“ und das Reich Gottes in der Welt zu bezeugen. Schneider: „Gott schenkt uns dazu ein ruhiges Herz in unruhigen Zeiten!“

Hannover, 10. November 2010
Pressestelle der EKD
Reinhard Mawick

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EKD-Synode fordert Finanztransaktionssteuer / Beschluss zu den Millenniumsentwicklungszielen

Die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) hat die Einführung einer Finanztransaktionssteuer gefordert. Die hierbei erzielten Erträge sollten für Projekte eingesetzt werden, die in den Entwicklungsländern die Folgen der Finanz-, Wirtschafts- und Klimakrise mindern. In einem Beschluss zu den UN-Millenniumsentwicklungszielen, den die 126 Synodalen auf ihrer Tagung in Hannover am Mittwoch, 10. November, verabschiedeten, wird die Bundesregierung aufgefordert, einen Aktionsplan mit konkreten und messbaren Schritten zu entwickeln, der die Beiträge Deutschlands für die Millenniumsziele bis 2015 beschreibt.

Die bisherige Bilanz im Blick auf diese Entwicklungsziele sei „ernüchternd, um es vorsichtig zu formulieren“, wie der Vorsitzende des Ausschusses für Diakonie, Mission und Ökumene, Jens Rannenberg, bei der Vorstellung des Beschlusses sagte. Die Bundesregierung sollte den „weiteren subventionierten Vertrieb von Überschussproduktionen aus der industrialisierten Land- und Ernährungswirtschaft“ in den Entwicklungsländern „endgültig unterbinden“, weil er die dortige bäuerliche Landwirtschaft in der Existenz gefährdet. Auch seien Maßnahmen notwendig, den großflächigen Ankauf von Land durch ausländische Regierungen oder internationale Konzerne durch internationale Regeln zu begrenzen, wenn dieser zu einer Zerstörung der Lebensgrundlage der einheimischen Bevölkerung und deren Ernährungssicherheit führt.

Die Millennium-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen sind acht Entwicklungsziele für das Jahr 2015, die im Jahr 2000 von einer Arbeitsgruppe aus Vertretern der UNO, der Weltbank, der OECD und mehreren Nichtregierungsorganisationen formuliert worden sind. Diese wurden im Rahmen des so genannten Millennium-Gipfels von den Vereinten Nationen 2000 verabschiedet.

Hannover, 10. November 2010
Pressestelle der EKD
Silke Römhild

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EKD-Synode beschließt neues Pfarrdienstgesetz / „Wichtiger Baustein der Rechtsvereinheitlichung“

Ein „wahrhaft epochales Werk“ sei das neue Pfarrdienstgesetz der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), sagte Landesbischof Dr. Ulrich Fischer und EKD-Ratsmitglied, als er den Entwurf für das Gesetz der EKD-Synode zur Abstimmung vorlegte. Am Mittwoch, 10. November, nahmen die 126 Synodalen in Hannover das neue Gesetz einstimmig an. Der Vorsitzende des Rechtsausschusses der EKD-Synode, Gerhard Eckels, stellte in seiner Beschlussempfehlung vor der Synode heraus, dass „dieses Gesetz ein weiterer, ganz wichtiger Baustein der Rechtsvereinheitlichung in der EKD ist.“

Landesbischof Fischer führte dazu weiter aus: „Die rechtlichen Rahmenbedingungen für den Pfarrerberuf, der zu Recht als Schlüsselberuf der evangelischen Kirchen bezeichnet wird, werden auf eine einheitliche und verlässliche Grundlage gestellt.“ Nicht weniger als elf unterschiedliche Pfarrdienstgesetze gebe es bisher in den 22 Gliedkirchen der EKD, so Landesbischof Fischer. Es sei dringend erforderlich, „dass die Gliedkirchen auch in diesem Kernbereich ihrer Arbeit eine Sprache sprechen und enger zusammenarbeiten, dass ihre Praxis vergleichbarer und der Wechsel von Pfarrerinnen und Pfarrern zwischen den Gliedkirchen leichter und einfacher wird. Mit diesem gemeinsamen Gesetz wollen wir auch den künftigen Regelungsaufwand reduzieren und nicht zuletzt eine höhere Akzeptanz des kirchlichen Rechts bei staatlichen Stellen erreichen.“

Zuvor hatte bereits die Kirchenkonferenz, die Vertretung der Gliedkirchen der EKD, dem Gesetzentwurf zugestimmt. Für das Inkrafttreten in den Gliedkirchen bedarf es noch der Zustimmung der Gliedkirchen beziehungsweise der VELKD. Hierfür sieht das Gesetz eine Frist bis zum 31. Dezember 2012 vor.

Hannover, 10. November 2010
Pressestelle der EKD
Silke Römhild

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EKD warnt vor Entsolidarisierung im Gesundheitswesen / Synodenbeschluss zur Gesundheitsreform

Vor „weiteren sozialen Verwerfungen“ durch die aktuelle Gesetzesinitiative zur Gesundheitsreform hat die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewarnt. Durch die geplante Gesundheitsreform würden Menschen mit geringem Einkommen, aber auch solche mit chronischen Erkrankungen oder Behinderungen zusätzlich belastet, heißt es in einem „Beschluss für eine solidarische Gesundheitsversorgung“, der am Mittwoch, 10. November in Hannover verabschiedet wurde. Werde die bisherige, von der Höhe des Einkommens abhängige Beitragsfinanzierung in der Gesetzlichen Krankenversicherung durch einen einkommensunabhängigen Zusatzbeitrag ergänzt, sei dies „der Einstieg in eine grundsätzliche Veränderung des Gesundheitswesens.“ Geringverdiener würden durch einen solchen Zusatzbeitrag überproportional belastet, Empfänger von Transfereinkommen ihrer Wahlfreiheit beraubt. Mit der geplanten Einfrierung des Arbeitgeberbeitrags stehe die paritätische Finanzierung zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern „endgültig auf dem Spiel“.

In dem Beschluss weist die Synode auf die Orientierungshilfe des Rates der EKD mit dem Titel „Das Prinzip der Solidarität steht auf dem Spiel“ (EKD-Texte 110) hin, der am 3. November veröffentlicht wurde. Sie empfiehlt, diesen Text „bei den Meinungsträgern zu verbreiten und auch in den Gemeinden zu diskutieren.“

Hannover, 10. November 2010
Pressestelle der EKD
Silke Römhild