Korruptionsverdacht bei Diakonie widerlegt - Badischer Diakonie-Chef Stockmeier soll Präsident im Bundesverband werden

Nachricht 08. November 2010

Hannover (epd). Erleichterung bei der Diakonie: Der in der vergangenen Monaten laut gewordene Korruptionsverdacht ist nach einem Bericht einer unabhängigen Wirtschaftsprüfungsgesellschaft widerlegt. Zudem schlug der Diakonische Rat am Montag in Hannover den badischen Diakonie-Chef Johannes Stockmeier als neuen Präsidenten des Bundesverbands vor. Der Vorsitzende des Diakonischen Rates, der württembergische Landesbischof Frank Otfried July, äußerte sich erleichtert. Allerdings habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Solidaris auf organisatorische Probleme im Diakonie-Vorstand hingewiesen, aus denen nun Konsequenzen gezogen werden müssten.

Der 62-jährige Stockmeier soll Nachfolger von Klaus-Dieter Kottnik werden, der zum 1. Oktober von seinem Amt zurückgetreten war. Der Theologe Stockmeier ist seit 1998 Hauptgeschäftsführer des Diakonischen Werkes in Baden. Das Diakonische Werk will den neuen Präsidenten am 9. Dezember bei einer Sondertagung der Diakonischen Konferenz für eine verkürzte Amtszeit von drei Jahren wählen. Bis spätestens 2013 soll die Fusion der Diakonie und des Evangelischen Entwicklungsdienstes (EED) in Berlin vollzogen sein.

Kottnik hatte für seinen überraschenden Rücktritt gesundheitliche Gründe angeführt. Im August war bekanntgeworden, dass sein persönlicher Referent Walter Merz bis 2008 Partner bei der Stuttgarter Beratungsfirma Dithmar & Partner war, die auch für die Diakonie arbeitete. Als Konsequenz hatte sich die Diakonie von Merz getrennt, die Zusammenarbeit mit Dithmar & Partner beendet und die Untersuchung durch die Gesellschaft Solidaris eingeleitet.

Am Montag nahm der Diakonische Rat am Rande der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover den Prüfbericht entgegen. Es gebe weder Hinweise auf Korruption noch auf persönliche Bereicherung bei Auftragsvergaben durch den Diakonie-Vorstand, berichtete July. Es habe keine Handlungen gegeben, "die auf vorsätzliche Schädigungen der Diakonie gezielt haben könnten". Auch eine Vorteilsnahme der Beraterfirma sei nicht zu erkennen. Die Zusammenarbeit mit Dithmar & Partner soll dennoch nicht wieder aufgenommen werden.

July verwies jedoch auf Unregelmäßigkeiten bei einer Evaluation, die 2007 eingeleitet worden sei. Einem Auftrag an Dithmar & Partner im Umfang von 275.000 Euro folgte eine weitere Dienstleistung, die schließlich 340.000 Euro umfasste. Diese Erweiterung sei ohne neue schriftliche Aufträge erfolgt. "Ein systematisches Projektcontrolling fehlte", habe Solidaris festgestellt, berichtete July. Daher seien Änderungen bei organisatorischen Abläufen notwendig.

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8.11.2010