Pressemitteilungen von der VELKD-Synode

Nachricht 04. November 2010

Einbindung in lutherische Weltgemeinschaft wichtig
Landesbischof July würdigte LWB-Vollversammlung

Hannover – Als „bedeutsames Ereignis“ hat der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Dr. h. c. Frank O. July (Stuttgart), die Elfte Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) bezeichnet. Sie tagte vom 20. bis 27. Juli in Stuttgart und stand unter dem Motto „Unser tägliches Brot gib uns heute“. July, der zu einem der Vizepräsidenten des LWB gewählt worden war, sagte in seinem Grußwort vor der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), die Vollversammlung habe „das Stärkende der lutherischen Weltgemeinschaft erfahrbar gemacht“. International sei der LWB eine beachtete Größe. Auch im Blick auf die ökumenische Wahrnehmung sei der Weltbund wichtig. Dies habe die Anwesenheit unter anderem von Vertretern der römisch-katholischen Kirche, der Anglikaner, Orthodoxen, Alt-Katholiken, Reformierten, Mennoniten sowie der Methodisten sichtbar gemacht. Vor dem Hintergrund der Beziehungen zu anderen Konfessionen habe sich gezeigt, wie wichtig Konfessionalität sei. Allerdings wolle er keiner Rekonfessionalisierung das Wort reden, aber eben auch nicht dafür, dass Ecken und Kanten abgehobelt würden.

Hannover, 4. November 2010
Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD

***

Superintendent Meyer neuer 1. Vizepräsident der Generalsynode

Hannover – Das Präsidium der Generalsynode der Vereinigten Evangelischen Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) ist wieder komplett: Superintendent Philipp Meyer (Hameln) wurde auf der Tagung in Hannover zum neuen 1. Vizepräsidenten der Generalsynode gewählt. Er löst in dieser Funktion den früheren Uelzener Propst Wolf v. Nordheim ab, der in das Kirchenamt der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewechselt war.

An der Spitze der Generalsynode steht als Präsident Prof. Dr. Dr. h. c. Wilfried Hartmann (Hamburg). Neben Meyer fungiert als zweiter Vizepräsident Pfr. Dr. Carsten Rentzing (Annaberg-Buchholz). Beisitzerinnen des Präsidiums sind: die Biologin Dr. Annekathrin Preidel (Erlangen) sowie die Medizinstudentin Pauline Voß (Jena).

Hannover, 4. November 2010
Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD

***

 
Christen im Nahen und Mittleren Osten unterstützen
LWB-Präsident Younan hielt Rede vor Generalsynode der VELKD
 
Hannover – Die „bleibende Notwendigkeit des christlich-jüdischen Dialogs insbesondere in Deutschland“ hat der Präsident des Lutherischen Weltbundes (LWB), Bischof Dr. Munib Younan, betont. Dieser Dialog sei „nötig“, nicht nur aufgrund der Geschichte Deutschlands, sondern auch angesichts der gemeinsamen Aufgaben in der Gegenwart des 21. Jahrhunderts. Die jüdische, muslimische und christliche Gemeinschaft seien als die drei monotheistischen Religionen „in besonderer Weise miteinander verbunden“, sagte Younan in seinem Grußwort vor der Generalsynode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Christen, Juden und Muslime seien Verbündete im Glauben an den einen Gott und in der Liebe zu ihm, die ihren Ausdruck finde in der Liebe zum Nächsten als Ebenbild Gottes. „Uns verbindet das Streben nach den gemeinsamen Werten der Achtung der Menschenrechte, der Förderung der Religionsfreiheit, des Schutzes der Minderheitenrechte, der Überwindung der Armut, der Bewahrung der Schöpfung und vor allem der Schaffung von Gerechtigkeit und Frieden im Nahen und Mittleren Osten. Gemeinsam werden wir unsere Welt in eine Oase der Multikulturalität verwandeln.“ Als palästinensischer Christ, dessen Leben Tag für Tag von Begegnungen mit jüdischen und muslimischen Mitmenschen geprägt sei, könne er nur voll und ganz diesem jüdisch-christlichen Dialog – sowohl auf lokaler wie internationaler Ebene – wie gleichzeitig auch dem muslimisch-christlichen Dialog verpflichtet sein.
 
In seiner Rede rief Younan zur Unterstützung der Christinnen und Christen im Nahen und Mittleren Osten auf. Die fortdauernde Emigration der christlichen Bevölkerung aus dieser Region, insbesondere jüngerer und gebildeter Bevölkerungsteile, bedrohe die Existenz des Christentums in der Region. Die Gründe lägen in der Last der Besatzung, dem Mangel an Wohnraum und Arbeitsplätzen sowie dem Extremismus auf allen Seiten. Krieg, Konflikt, wirtschaftlicher und politischer Druck wirkten zusammen und drängten die Menschen dazu, die Region zu verlassen, so der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land (ELCJHL). Christliche Entscheidungsträger sowie alle Menschen guten Willens müssten Einfluss nehmen auf die politisch Verantwortlichen, damit sie sich für eine Beilegung des israelisch-palästinensischen Konflikts und ein Ende der fortdauernden Gewalt und Instabilität im Irak einsetzen. Ein gemeinsames Datum für das Oster- wie auch das Weihnachtsfest sei eine seelsorgerliche Notwendigkeit, insbesondere angesichts der großen Zahl von Ehen zwischen Angehörigen unterschiedlicher christlicher Kirchen und aufgrund des machtvollen Zeugnisses christlicher Einheit in der Region, das damit einhergehe. „Die christliche Bevölkerung im Nahen Osten muss deutlich machen, dass sie darum weiß, dass ihr Schicksal auch das Schicksal ihrer muslimischen und jüdischen Mitmenschen ist, indem sie nämlich nicht nur die christlichen Rechte verteidigt, sondern sich einsetzt für das Gemeinwohl“, hob Younan hervor. „Es ist notwendig, die christlichen Schulen im Nahen und Mittleren Osten zu unterstützen, denn sie vermitteln nicht nur christlichen Kindern Bildung und die Instrumente, die sie für das Überleben in der Region brauchen, sondern sie sind auch der Ort, an dem die Kirche vorrangig unter Beweis stellt, dass sie bereit, willens und in der Lage ist, sich gemeinsam mit der muslimischen Bevölkerung für das Wohl der Gesellschaft einzusetzen, und der Ort, wo christliche und muslimische Kinder lernen, Seite an Seite zu leben und zu arbeiten.“ Die lutherischen Schulen in Palästina leisteten Bildungsarbeit für die gesamte Gesellschaft. In ihnen lernten christliche Kinder unterschiedlicher Konfession und fünfzig Prozent muslimische Kinder das gemeinsame Leben und Arbeiten. Die arabisch-christliche Bildungsarbeit habe im Nahen Osten ein Fundament gelegt, auf dem eine moderne Zivilgesellschaft mit ihren Kernwerten wie Menschenrechten und Frauenrechten, demokratischem Denken und Redefreiheit aufbauen könne.
 
„Ernste Sorge“ bereite ihm, „dass der Extremismus inzwischen in viele Bereiche der Gesellschaft vordringt und die Kontrolle übernimmt“. Solange im Nahen Osten Unrecht herrsche, werde es schwierig sein, dem Vormarsch eines solchen Extremismus etwas entgegenzusetzen. Solange Israelis und Palästinenser in Furcht, Unsicherheit und Unrecht lebten, werde es am Fortschritt zu Friedensvereinbarungen hin fehlen. „Aus meiner Sicht kann Extremismus nicht anders als mit den Waffen der Bildung und des interreligiösen Dialogs bekämpft werden“, so der LWB-Präsident.
 
Hannover, 04. November 2010
Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD
 
***
 
PID überschreitet Grenze des ethisch Verantwortbaren
Leitender Bischof predigt im Eröffnungsgottesdienst der Generalsynode
 
Hannover – Die Präimplantationsdiagnostik (PID) überschreitet nach den Worten des Leitenden Bischofs der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Dr. Johannes Friedrich (München), „die Grenze des ethisch Verantwortbaren“. In seiner Predigt zur Eröffnung der Generalsynode der VELKD sagte Friedrich, Gott allein sei Herr über Leben und Tod. Menschen dürften sich „niemals anmaßen, zwischen ,lebenswert‘ und ,lebensunwert‘ zu unterscheiden und menschlichem Leben das Lebensrecht absprechen“. Er wisse, dass manche Eltern noch vor der Einpflanzung eines Embryos über seine Gesundheit oder Krankheit Bescheid wissen wollten, um diesen dann zu erwählen oder zu verwerfen. „Ich weiß, dass manche Menschen darauf hinweisen, dass es aus seelsorgerlichen Gründen für manche Eltern wichtig wäre, diese Möglichkeit zu haben“, so der Leitende Bischof. In konkreten ethischen Konfliktfällen müsse immer auch seelsorgerlich gedacht werden. „Das hindert aber nicht, deutlich zu sagen, dass alles menschliche Leben – und dieses beginnt mit der Vereinigung von Ei und Samenzelle – von uns zu schützen ist.“
 
In seiner Predigt ging Johannes Friedrich auch auf die Integrationsdebatte ein. Sie sei „längst überfällig“ gewesen – „und es ist nötig unbequeme Wahrheiten an- und auszusprechen“. Allerdings habe er „mit Schrecken“ eine Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung zur Kenntnis genommen, dass gerade in evangelischen Kreisen ein Überlegenheitsgefühl gegenüber Migranten sowie Ausländerfeindlichkeit überhaupt höher verbreitet seien als im Rest der Gesellschaft – und zwar bei Menschen, die ansonsten politisch ganz offensichtlich in der Mitte stünden und wahrscheinlich nicht rechtsradikale Parteien wählten. „Beides, ein Überlegenheitsgefühl aufgrund von Herkunft und Feindseligkeit gegenüber Ausländern, ist zutiefst menschenverachtend und verträgt sich nicht mit der Liebe Gottes zu allen Menschen“, betonte der Leitende Bischof. Weil Gott uns zugeneigt sei, müssten auch Menschen christlichen Glaubens, evangelische Christinnen und Christen, eine Haltung anderen Menschen gegenüber entwickeln, die Fremde willkommen heiße. „Gegenüber rechtem Gedankengut darf es in unseren Kirchen keinerlei Toleranz geben“, Friedrich wörtlich.
 
Als „bleibend aktuell“ bezeichnete es der Leitende Bischof der VELKD, „von der uneingeschränkten Liebe Gottes zu sprechen, der uns in seiner Hand hält, und ihm zu vertrauen“. Wie die Menschen handelten, sei aber nicht unwichtig. „Glaube und Werke, das Vertrauen auf die Liebe Gottes und das rechte Tun gehören untrennbar zusammen.“
 
Die Generalsynode tagt vom 4. bis 6. November sowie am 9. November in Hannover. Sie steht unter dem Schwerpunktthema „Pfarrerbild und Pfarrerbildung“.
 
Hannover, 4. November 2010
Udo Hahn
Pressesprecher der VELKD