Hannoversche Landeskirche verleiht erstmals Kulturpreis

Nachricht 02. November 2010

Hannover/Hildesheim (epd). Gleich zwei Preisträger haben am Dienstagabend den erstmals verliehenen Kulturpreis der hannoverschen Landeskirche erhalten. Die mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Auszeichnung ging zu gleichen Teilen an das Theaterstück "Moschee DE" des Schauspiels Hannover und an den Verein "Kunst und Begegnung Hermannshof" in Völksen bei Hannover. Die Auszeichnungen wurden in der Hildesheimer Michaeliskirche feierlich übergeben.



"Mir liegt daran zu zeigen, wie wichtig uns als Landeskirche die genaue Wahrnehmung und Würdigung des aktuellen künstlerischen Schaffens hier in Niedersachsen ist", sagte der stellvertretende evangelische Landesbischof Hans-Hermann Jantzen. "Religion und Kultur sind schon seit Menschengedenken wie Geschwister miteinander verbunden."



Der in den evangelischen Landeskirchen in Deutschland einmalige Preis soll künftig den Dialog zwischen den zeitgenössischen Künsten und der Kirche fördern. Er soll alle zwei Jahre künstlerische Werke und Positionen auf dem Gebiet der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland prämieren. Einen Förderpreis von 5.000 Euro erhielt die A-cappella-Band "Fünf vor der Ehe" aus Hannover. Sie habe mit ihren "frisch-fromm-fröhlich-frechen" Texten die Jury überzeugt, sagte Jury-Mitglied Jochen Arnold, Direktor des Kirchenmusikzentrums Michaeliskloster in Hildesheim.



Das Theaterstück des Schriftstellers Kolja Mensing und des Filmregisseurs Robert Thalheim "Moschee DE" rekonstruiert Streitigkeiten im Umfeld eines Moscheebaues in Berlin-Heinersdorf. Das Stück mache das hohe Konfliktpotential begreifbar, dass sich in der deutschen Integrationsdebatte schon seit Jahren verberge, sagte der Sprecher der Jury, der frühere hannoversche Stadtsuperintendent Hans Werner Dannowski. Es rege die Zuschauer an, sich mit eigenen Glaubensgrundsätzen auseinanderzusetzen und Position zu beziehen. Regisseur Thalheim sagte, "ich finde es gut, dass sich die Kirche mit dieser Auszeichnung auch dem Diskurs der Religionen stellt".



Der "Verein Kunst und Begegnung Hermannshof" biete seit fast 20 Jahren ein Forum zur Begegnung mit zeitgenössischer Kunst, Kultur und Natur und sei viel mehr als nur ein Hof, sagte der Direktor des kulturpolitischen Instituts der Universität Hildesheim, Wolfgang Schneider. "Der Hermannshof will ein Veranstaltungsort sein, eine Begegnungsmöglichkeit, ein Künstlerlabor." Der künstlerische Leiter Eckhart Liss fülle eine kulturpolitische Lücke in der niedersächsischen Provinz. Zudem beteilige der Verein Kinder und Jugendliche an Projekten zur zeitgenössischen Kunst.



Die Preisverleihung vor rund 240 Gästen gehörte den Angaben zufolge zu den herausragenden Ereignissen bei der 1.000-Jahr-Feier der evangelischen Michaeliskirche, die zum Weltkulturerbe zählt.



Internet: www.schauspielhannover.de, www.hermannshof.de, www.vorderehe.de



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2.11.2010