Neustart statt Ruhestand - Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen wird 65

Nachricht 24. September 2010

Lüneburg (epd) (epd). Eigentlich hätte es sein Abschied sein sollen. Am Dienstag (28. September) feiert der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen seinen 65. Geburtstag. Doch statt in den Ruhestand zu gehen, musste er noch einmal durchstarten. Nach dem Rücktritt der früheren hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann kam auch für Jantzen vieles anders als geplant. Er vertritt als Bischofsvikar das vakante Amt, bis zum Frühjahr der neue Bischof an der Spitze der größten evangelischen Landeskirche in Deutschland eingeführt wird.

Seit fast 13 Jahren steht Jantzen in Lüneburg dem größten der sechs Sprengel in der Landeskirche vor und führt auch diese Aufgabe länger als geplant weiter. Mit dem Titel Bischofsvikar, der ein bisschen nach Berufsanfänger klingt, kann der Dienstälteste unter den Landessuperintendenten dennoch gut leben: "Vicarius heißt im Wortsinn Stellvertreter, und ich sehe mich als jemanden, der für eine Übergangszeit die Aufgabe wahrnimmt."

Die Zuneigung zum Pfarrberuf entdeckte Hans-Hermann Jantzen schon im Elternhaus. Als Sohn eines Superintendenten wuchs er in Cadenberge bei Cuxhaven auf. Nach dem Abitur war für ihn der Studienwunsch schnell klar: "Ich wollte vieles anders machen, als mein Vater, aber ich hatte gelernt, dass Pastor ein schöner Beruf ist", sagt er. "Am meisten hat mich fasziniert, dass man es mit so vielen verschiedenen Menschen zu tun hat."

Diese Haltung vermittelte er weiter, als er zwischen 1980 und 1886 als Studieninspektor am Predigerseminar in Hildesheim den Nachwuchs ausbildete. "Er war ein junger Pastor, der einem Freude an der Gemeindearbeit gemacht hat", erinnert sich Arend de Vries, damals Vikar und heute als Geistlicher Vizepräsident des Landeskirchenamtes enger Berater des stellvertretenden Landesbischofs.

Während des Studiums in Göttingen und Tübingen in den 1960ern mischte Hans-Hermann Jantzen zwar nicht in der Hochschulpolitik mit, aber er engagierte sich in der Studentengemeinde. "Ich war nie ein Revoluzzer", sagt er. Jantzen plädiert für eine Volkskirche, die zusammenhält, auch wenn ihre Mitglieder unterschiedliche Frömmigkeitsstile pflegen. Zugleich er ist überzeugt: "Die Kirche hat ein Wächteramt. Sie muss Stellung beziehen." Seit er Bischofsvikar ist, hören die Menschen noch einmal anders hin, hat Jantzen erfahren, als er etwa vor Kinderarmut oder vor rechtsextremen Tendenzen warnte.

Im Sprengel Lüneburg erntete Jantzen neben Zustimmung heftige Kritik, als er 1997 kurz nach seinem Antritt sagte, sein Herz schlage für die Atomkraftgegner. "Heute ist es einfacher, sich zu äußern", ist er überzeugt. Inzwischen haben auch Synoden Position bezogen. Und der Regionalbischof, zu dessen Zuständigkeit auch Gorleben gehört, hat besonders zuletzt oft deutliche Worte gefunden. "Wir halten die Atomtechnologie für nicht beherrschbar und nicht menschengerecht", sagte er bei einer Kundgebung.

Dem Ruhestand blickt Jantzen positiv entgegen. Demnächst wollen er und seine Frau Ursel in ein Haus ziehen, das sie in Lüneburg gebaut haben. Er will sich in der Kirche und für den Umweltschutz engagieren. Für sein Hobby Singen erhofft sich der Vater zweier erwachsener Kinder und Großvater mehr Zeit. Bis dahin sieht Jantzen bei allen Anforderungen ein Privileg, das etwa Manager nicht hätten: "Es ist unser Beruf, dass wir über den Sinn des Lebens nachdenken dürfen."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
24.9.2010