Fundraising-Experte: Spendenbereitschaft für Kirche nimmt ab

Nachricht 23. September 2010

Hannover (epd). Die Spendenbereitschaft der Deutschen wird nach Ansicht des Fundraising-Experten Paul Dalby künftig abnehmen. "Wir leben immer mehr in einer Spaß- und Freude-Gesellschaft", sagte der Fundraiser der hannoverschen Landeskirche am Donnerstag am Rande einer Tagung in Hannover im epd-Gespräch. Junge Menschen müssten erst für das Spenden gewonnen werden. Zu der bundesweit einzigen Fachtagung zu kirchlichem Fundraising "Kollekta.10" kamen rund 200 Teilnehmer.

Religiös gebundene Menschen seien eher bereit, Geld zu geben, sagte Dalby. Doch durch den demografischen Wandel und dem damit verbundenen Rückgang der Kirchenmitglieder müssten sich kirchliche Fundraiser die Frage stellen, wie neue Spender zu gewinnen seien. "Wir müssen den Menschen, auch außerhalb der Kirche zeigen: Wir haben die Antwort auf deinen Spendenwunsch." Ein Thema der Tagung seien auch die Auswirkungen von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche auf die Spendenbereitschaft.

Die Technik des Spendensammelns hänge stark von der Zielgruppe ab, sagte der Experte. Bis zu 80 Prozent der Spenden liefen immer noch über die Spendenbriefe. Für jüngere Menschen seien soziale Netzwerke wie Facebook zukunftsweisend. Sie fühlten sich weniger durch Prominente oder neue Formen wie Online-Fundraising angesprochen. Es habe sich beispielsweise nicht bewährt, die Kollekte im Gottesdienst über ein EC-Kartenlesegerät einzusammeln.

In den vergangenen zehn Jahren sei das Fundraising in der Kirche professionalisiert worden. "Es ist auch ohne prominente Unterstützung erfolgreich", sagte Dalby. Ein Foto der ehemaligen Landesbischöfin Margot Käßmann auf einem Spendenbrief der landeskirchlichen Initiative "Zukunfts(s)gestalten" gegen Kinderarmut sei zwar hilfreich gewesen: "Doch wir vertrauen darauf, dass sich die Menschen wegen der Inhalte und nicht wegen der Prominenz angesprochen fühlen."

In der größten deutschen Landeskirche seien zwischen Cuxhaven und Hann. Münden rund 100 hauptberufliche Fundraiser ausgebildet worden. Ihnen stünden rund 180 ehrenamtliche Fundraiser zur Seite. "Fundraiser in kirchlichen Einrichtungen rechnen sich", sagte Dalby. Allerdings nur, wenn sie Lust hätten, auf Menschen zuzugehen.

Internet: www.kollekta.de

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