Weltweite Partnerschaften zwischen den Kirchen kämpfen mit Frust und wachsenden Spannungen

Nachricht 21. September 2010

Von Dieter Sell (epd)



Emden (epd). Es ist fast wie in einer Ehe. Zuerst war die Liebe groß. Partnerschaften zwischen Kirchengemeinden im reichen Norden und im armen Süden verwirklichten über Jahrzehnte unzählige Projekte. Mit Geldern der reichen Geschwister entstanden Maismühlen, Wasserleitungen und Kindergärten genauso wie Schulen und Anti-Aids-Projekte. Es gab Tausende von Besuchen hüben wie drüben. Doch mittlerweile ist die Liebe in die Jahre gekommen. Streit gibt es vor allem um das Amts- und Bibelverständnis. Auch Korruption und Transparenz bergen Konfliktpotential.



"Partnerschaft in Bewährung" heißt deshalb das Schwerpunktthema der Mitgliederversammlung des Evangelischen Missionswerks in Deutschland (EMW), die noch bis Mittwoch in Emden tagt. Als Beispiele für Kontroversen zählt EMW-Direktor Christoph Anders die Ordination von Frauen und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auf, die in vielen Kirchen des Südens nicht anerkannt werden. So mahnte vor einem knappen Jahr der leitende Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, Alexander Malasusa: "Wir glauben, dass es in der Bibel keine Grundlage für gleichgeschlechtliche Beziehungen gibt."



"Konflikte können innerhalb der Kirche besonders schwierig werden, weil eine oder beide Seiten oftmals davon überzeugt sind, Gott auf ihrer Seite zu haben", erläutert Anders. Und nicht nur das. In einer Erklärung der Bischöfe aus Tansania wird der Kreis noch weiter gezogen: "Wir vermuten einen engen Zusammenhang von Globalisierung, moralischem Verfall und der hohen HIV- und Aids-Infektionsrate."



Sie sind davon überzeugt, dass ein Teil der Christenheit Glauben und Bekenntnis verrät - und dieser Teil sitzt im Norden. Verschärft wird die Krise durch das Kirchturmdenken, das seit einiger Zeit im Norden wieder zunimmt. Probleme vor Ort wie Regionalisierungen und Fusionen, Stellenabbau und Mitgliederverlust beschäftigen die kirchliche Öffentlichkeit hier mehr als die Situation der Christen in Tansania, Indien oder Papua-Neuguinea.



Wieder andersherum werden Zweifel laut: Interessieren sich die Partner im Süden in gleicher Weise für uns? Warum kommen Briefe nur auf Anfrage, und selbst dann erst nach Monaten? Sind Besuche nur ein Besichtigungsprogramm? Verfolgen wir gleiche Ziele - oder ist letztlich doch nur das Geld das sinnstiftende Element unserer Partnerschaft?



Speziell zu den Finanzen stellt die Anti-Korruptions-Initiative Transparency Deutschland fest: "Lange Zeit haben die Nordkirchen selbst, aus schlechtem Gewissen wegen der kolonialen Vergangenheit, in einem falschen Verständnis von Vertrauen, keine ausreichend effiziente Kontrolle ausgeübt. So entstanden in den südlichen Kirchen Erbhöfe der Macht."



Manchmal steht schlicht der Wunsch nach Harmonie dem Bestreben im Weg, Probleme aufzuarbeiten. Doch seit einiger Zeit tut sich etwas. Vielerorts entstehen "Codes of Conduct", Leitlinien zur Herstellung von Transparenz und Vermeidung von Korruption.



Selbst über Kontrolle wird offener gesprochen. "Finanztransfers kommen nicht ohne Kontrollmechanismen aus, wenn nicht ein Vertrauensverlust auf Dauer riskiert werden soll", bekräftigt EMW-Chef Anders. Und auch die Sprache untereinander wird deutlicher, frei nach dem Motto: Nicht und nichts beschönigen - aber im grundsätzlichen Verständnis füreinander.



Klimawandel, Menschenrechte, Religionsfreiheit, Überwindung von Gewalt und Ausbeutung: "Wir sind auf die Stimmen der anderen Kirchen angewiesen, um diese globalen Herausforderungen besser verstehen und verantwortungsvoll darauf antworten zu können", wirbt Anders für Partnerschaften. Der afrikanische Theologe Setri Nyomi, Generalsekretär der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen, ruft in Emden zur Orientierung an gelungenen Beispielen auf: "Das Bekenntnis zur Partnerschaft ist unsere christliche Berufung."



Internet: www.emw-d.de



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21.9.10