Kirchentags-Generalsekretärin plädiert für Frauenquote in der Kirche

Nachricht 20. September 2010

Freiburg/Hannover (epd). Die Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentags, Ellen Ueberschär, fordert die Einführung einer Frauenquote in den Gremien der evangelischen Kirche. Beim 1. Freiburger Frauenkirchentag verwies die frühere Studienleiterin der Evangelischen Akademie Loccum am Wochenende auf eine Zielvorgabe, die die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) bereits 1989 beschlossen habe. Demnach sollte innerhalb von zehn Jahren in allen Leitungs- und Beratungsgremien ein Frauenanteil von mindestens 40 Prozent erreicht werden.

Inzwischen seien 20 Jahre verstrichen. "Schauen wir auf die Bischofsebene, können wir nur lachen", sagte die promovierte Theologin am Sonnabend. Beim Thema "Frauen in Führungspositionen" liege die evangelische Kirche "gut im gesellschaftlichen Trend". Gleichberechtigung in Führungspositionen sei nicht erreichbar ohne Quote. Nach den Rücktritten der Hamburgerin Maria Jepsen sowie Margot Käßmanns in Hannover ist in den Landeskirchen derzeit nur Ilse Junkermann als Frau in leitender Funktion. Sie führt seit dem vergangenen Jahr die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland als Bischöfin.

Ueberschär sagte, bei den etwa 20.000 Theologinnen und Theologen in Deutschland betrage der Frauenanteil 30 Prozent. Fast 60 Prozent der Pfarrerinnen arbeiteten in Teilzeit. Wie viele andere Frauen auch würden sie versuchen, Familie und Beruf "unter einen Hut zu bringen". Leitungstätigkeit jedoch werde nicht halbtags ausgeübt.

Eine Quote allein werde jedoch nicht zur formalen Parität der Geschlechter führen. Die Tugend, Chancen zu ergreifen, die sich bieten, müssten Frauen sich noch erschließen. Es sei richtig, die eigenen Ansprüche etwa an die Betreuung der Kinder in den Blick zu nehmen, andererseits sei es aber auch wichtig, Verantwortung im rechten Moment zu übernehmen.

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20.9.10