Kirchenspitze: Starke Kandidaten für Käßmann-Nachfolge - Frauenverband bedauert Rückgang von Frauen in Leitungsämtern

Nachricht 18. September 2010

Hannover (epd). Die Spitze der hannoverschen Landeskirche sieht sich mit ihren Kandidaten für die Nachfolge von Landesbischöfin Margot Käßmann gut aufgestellt. "Mit dem hessen-nassauischen Diakonie-Chef Wolfgang Gern und dem Berliner Generalsuperintendenten Ralf Meister können wir zwei ausgesprochen qualifizierte und profilierte Bewerber präsentieren", sagte der Geistliche Vizepräsident des hannoverschen Landeskirchenamtes, Arend de Vries, am Freitag dem epd.

Auch der Bundesverband Evangelischer Frauen in Deutschland begrüßte die Nominierung der beiden Kandidaten, bedauerte aber zugleich einen Rückgang von Frauen in kirchlichen Leitungsämtern. Der Kirchensenat hatte den 48-jährigen Meister und den 59 Jahre alten Gern am Donnerstagabend für die Wahl Ende November ausgewählt.

Die Vorsitzende des Frauenverbandes, Brunhilde Raiser, sagte dem epd, es seien zwei hervorragende Kandidaten für die Nachfolge von Käßmann aufgestellt worden. "Beide sind sich bewusst, wie entscheidend es für den Erfolg und die Glaubwürdigkeit der Kirche ist, dass Leitungsaufgaben gleichermaßen mit Frauen besetzt werden." Allerdings stagniere der Anteil von Frauen in kirchlichen Leitungsämtern und gehe teilweise zurück, bilanzierte Raiser: "Wir müssen das dringend stoppen."

Die 77 Kirchenparlamentarier der Landessynode in der größten evangelischen Kirche in Deutschland wählen den neuen Bischof während ihrer Herbsttagung vom 23. bis 26. November in Hannover. Käßmann war im Februar nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von ihrem Amt zurückgetreten.

Wolfgang Gern hob am Freitag in Frankfurt/Main die Vielfalt der hannoverschen Landeskirche hervor. "Sie setzt durch ihre vielfältigen Frömmigkeitsstile, ihre lebendige Arbeit in Gemeinden und Werken und durch ihr klares Profil Impulse und Signale, die unserer Gesellschaft guttun und unbedingt gebraucht werden", sagte er dem epd: "Daran mitzuwirken, wäre eine wunderbare Aufgabe."

Der Berliner Bischof Markus Dröge betonte, der mögliche Weggang von Ralf Meister wäre für die Berlin-brandenburgische Landeskirche ein "schmerzlicher Verlust". In seiner kurzen Zeit als Generalsuperintendent habe er sich durch Impulse in der Öffentlichkeitsarbeit, aber auch durch "konzeptionelle Arbeit an herausfordernden Themen" wie der Zukunft von kirchlichen Gebäuden oder dem interreligiösen Dialog viel Vertrauen und Anerkennung erworben.

Synoden-Präsident Jürgen Schneider sagte, die Festlegung auf die Bewerber sei eine einmütige Entscheidung des Kirchensenats gewesen. Gern stehe auf den ersten Blick für ein eher sozialdiakonisches Profil, Meister für eine mehr volkskirchliche Ausrichtung. Die beiden ließen sich jedoch keiner der beiden Richtungsgruppen in der Synode zuordnen, weder der "Gruppe Offene Kirche" noch der etwas konservativeren Gruppe "Lebendige Volkskirche". "Wir haben zwei teamfähige Kandidaten", ergänzte Schneider.

Der Vorsitzende des Landessynodalausschusses, Jörn Surborg, sieht die größte Herausforderung für den neuen Bischof darin, "dass wir trotz Mitgliederrückgang eine Kirche für das Volk bleiben können". Er wünsche sich, dass die Landeskirche auch künftig klar und deutlich in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird, betonte Surborg. Dies gelte vor allem auch bei Fragen, die die Gesellschaft bewegten. Der Landessynodalausschusses vertritt das Kirchenparlament zwischen seinen Tagungen.

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18.9.10