Kirchengemeinde sagt interreligiöses Kunstprojekt zum Muezzinruf ab

Nachricht 08. September 2010

Muslime äußern religiöse Bedenken

Osnabrück (epd). Das bereits in mehreren Städten kontrovers diskutierte interreligiöse Kunstprojekt "Botschaft" wird nun doch nicht in Osnabrück zu hören sein. Mehrere muslimische Gemeinden, die zuvor ihre Zustimmung signalisiert hätten, hätten nach Rücksprache mit den Imamen diese zurückgezogen, sagte Pastor Martin Wolter von der Südstadt-Kirchengemeinde am Mittwoch dem epd: "Sie haben Bedenken aus religiösen Gründen geäußert." Daraufhin habe die Gemeinde das Projekt abgesagt.

Aus einem Druckkammer-Lautsprecher, wie er für Minarette üblich ist, sollten die Melodien eines muslimischen Muezzinrufs und eines gregorianischen Gesangs erklingen. Der Lautsprecher sollte am Turm der Lutherkirche angebracht werden. Die Künstlerin Karin Maria Zimmer (40) aus Saarbrücken wollte das Stück nach eigenen Angaben selbst singen. Es sollte vom 16. bis 23. Oktober sechsmal täglich zu hören sein.

Er selbst bedaure, dass das Projekt nicht stattfinden werde, sagte Wolter. Aber die Zusage der Gemeinde sei von vornherein an die Bedingung geknüpft gewesen, dass es von den benachbarten Moschee-Gemeinden keine Einwände gebe. Der Pastor hatte während eines Treffens mit Muslimen betont, dass es sich um ein Kunstprojekt handele, das die Religionen nicht verunglimpfen, sondern zum Dialog anregen wolle.

Auch die Stadt sieht nach der Absage der Muslime keine Möglichkeit, das Projekt zu realisieren. Die Klanginstallation hätte zum Rahmenprogramm des internationalen Kongresses "Religionen und Weltfrieden" vom 20. bis 23. Oktober gehören sollen, sagte Christine Grewe vom Büro für Friedenskultur. Auch sie habe ein Einvernehmen mit den Muslimen von Anfang an für notwendig gehalten. Es habe sehr gute Gespräche mit den Muslimen gegeben, so dass sie den Abstimmungsprozess als positiv und zukunftsweisend werte.

Die Künstlerin hat ihre Klanginstallation bereits 2008 und 2009 in Saarbrücken und in Weingarten realisiert. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit seien damals sehr kontrovers gewesen. Die Osnabrücker Marienkirchengemeinde hatte das Projekt zuvor bereits abgelehnt. Es diene nicht dem Dialog, sondern zeuge von mangelnder Sensibilität gegenüber dem Islam wie dem Christentum, erklärte sie.

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8.9.10