Diakonie und Caritas weisen Vorwürfe zu Leiharbeit zurück

Nachricht 03. September 2010

Hannover (epd). Die Diakonie hat Vorwürfe von Gewerkschaften zurückgewiesen, zunehmend Leiharbeiter zu beschäftigen. Allerdings stünden die diakonischen Einrichtungen in einem steigenden Lohnkostenwettbewerb, sagte der stellvertretende Diakoniedirektor der hannoverschen Landeskirche, Jörg Antoine, am Freitag dem epd. Sie müssten daher auch auf Leiharbeitsfirmen zurückgreifen: "Es ist keinem damit gedient, wenn der Träger den vollen Tarif bezahlt und deshalb nach einem halben Jahr Insolvenz anmelden muss."



Die Gewerkschaft ver.di hatte kritisiert, dass kirchliche Einrichtungen zunehmend Zeitarbeitsfirmen nutzten, um Angestellte langfristig zu niedrigeren Löhnen zu beschäftigen. In der diakonischen Altenhilfe Lilienthal bei Bremen seien fast 70 Prozent der Beschäftigten Leiharbeiter. Mitarbeitervertreter berichteten, dass Kollegen schon seit 2005 über eine Zeitarbeitsfirma angestellt sind.



Auch caritative Einrichtungen der Diözesen in Hildesheim und Osnabrück widersprachen den Gewerkschaften. "Wir beschäftigen in unserem Verband keine Leiharbeiter und vergüten unsere Mitarbeiter entsprechend der Arbeitsvertragsrichtlinien des Deutschen Caritasverbandes", sagte der stellvertretende Caritasdirektor in Osnabrück, Günter Sandfort. Eine Sprecherin der Caritas in Bremen sagte, dass Leiharbeiter nur in Ausnahmefällen in der Altenpflege beschäftigt würden.



Nach dem Kirchenrecht der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) darf Leiharbeit nur Engpässe überbrücken. Eine langfristige Beschäftigung von Leiharbeitnehmern sei mit dem Kirchenrecht nicht vereinbar. Antoine sagte, auch diakonische Einrichtungen seien verpflichtet, dieses kirchliche Arbeitsrecht anzuwenden. Oft sei es aber schwierig, nach dem Kirchenrecht zulässige Leiharbeit von unzulässiger zu unterscheiden.



Wenn sich Einrichtungen nicht an die Satzung der Diakonie hielten, könne dies bis zum Ausschluss führen, betonte der stellvertretende Direktor. Davon habe die Diakonie bisher jedoch keinen Gebrauch gemacht. Die kirchlichen Löhne lägen im Vergleich zu privaten Einrichtungen aber deutlich im oberen Bereich. Gerade in der Altenhilfe sähen sich diakonische Einrichtungen deshalb nicht mehr in der Lage, am Markt zu bestehen.



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