Bürgerinitiative rettet jüdisches Gebäude

Nachricht 03. September 2010

Rotenburg/Wümme (epd). Das letzte Gebäude einer jüdischen Familie in Rotenburg bei Bremen ist durch eine Bürgerinitiative gerettet worden. Am 19. September soll die wieder aufgebaute sogenannte "Cohn-Scheune" durch einen jüdischen Kantor neu eröffnet werden. Mit Unterstützung des Jüdischen Museums in Berlin entsteht damit nach Angaben des Vorsitzenden des Fördervereins, Michael Schwekendiek, in zentraler Lage eine Dokumentationsstätte zur Geschichte der jüdischen Kultur in der Region.

Bei dem Gebäude handelt es sich um eine ehemalige Schneiderwerkstatt der in Rotenburg beheimateten jüdischen Eheleute Gertrud und Hermann Cohn. Sie wurden in der NS-Zeit nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Die Töchter überlebten Schwekendiek zufolge in Kolumbien und England.

Mitglieder der Bürgerinitiative trugen vor fünf Jahren das vom Verfall bedrohte Fachwerkhaus aus dem 19. Jahrhundert ab und lagerten das Baumaterial ein. Im Frühjahr 2009 begannen sie gegen zeitweise erhebliche Widerstände mit der Rekonstruktion auf einem Grundstück gegenüber der Stadtkirche in der Nähe des ursprünglichen Standortes. Für das Projekt kamen Gelder in Höhe von mehr als 300.000 Euro zusammen, sagte Schwekendiek. Davon hätten Bürger aus der Region nahezu 200.000 Euro gespendet.

Zu den Förderern gehören die Klosterkammer Hannover, mehrere Stiftungen, der Landkreis, die großen diakonischen Einrichtungen in der Kreisstadt und die hannoversche Landeskirche. Die Einrichtung des Museums sei ein guter Anlass, vor Ort nach jüdischem Leben zu forschen, sagte der evangelische Superintendent Hans-Peter Daub: "Christliches Leben ist nicht denkbar ohne seine jüdischen Wurzeln."

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