Bistümer in Niedersachsen verlangen künftig ein erweitertes Führungszeugnis für Arbeit mit Kindern

Nachricht 31. August 2010

Hannover/Hildesheim/Osnabrück (epd). Zeitgleich zu den neuen Leitlinien der katholischen Kirche zu sexuellem Missbrauch haben die Bistümer in Niedersachen und Bremen ein zusätzliches Kirchengesetz erlassen. Es soll Kinder und Jugendliche vor sexuellen Übergriffen schützen, sagte der Sprecher des Bistums Osnabrück, Hermann Haarmann, am Dienstag dem epd. Danach müssen Erwachsene, die hauptamtlich in kirchlichen Einrichtungen Kinder und Jugendliche betreuten, ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen.

Hier werde festgehalten, ob die betreffende Person zum Beispiel wegen einer Sexualstraftat verurteilt worden sei. Das Zeugnis müsse alle fünf Jahre erneuert werden, sagte Haarmann. Es betreffe zum Beispiel Priester, Lehrer, Angestellte in Kindertagesstätten und Zivildienstleistende, aber auch Honorarkräfte. Ehrenamtliche müssten eine entsprechende schriftliche Erklärung abgeben.

Die Bischöfe in Hildesheim, Osnabrück und Vechta haben das Gesetz nach Angaben Haarmanns in der vergangenen Woche unterzeichnet. Es gelte von diesem Mittwoch an. Das Gesetz habe auch Eingang in die neuen Leitlinien der Bischofskonferenz gefunden. Danach müssten alle übrigen Bistümer eine entsprechende Regelung formulieren. Das Bistum Osnabrück habe sich aus eigenem Antrieb bereits seit zwei Jahren mit diesem Thema beschäftigt.

Die Leitlinien sehen vor, dass die Kirche künftig bei Verdachtsfällen auf sexuellen Missbrauch grundsätzlich die Staatsanwaltschaft informiert. Ausnahmen werde es nur auf ausdrücklichen und begründeten Wunsch der Opfer gebe, sagte der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Stephan Ackermann, am Dienstag in Trier.

In der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers müssen seit Mai alle hauptamtlichen landeskirchlichen Mitarbeitenden in der Kinder- und Jugendarbeit ein Führungszeugnis nach den Vorgaben des Bundesjustizministeriums vorlegen. Die ehrenamtlichen Helfer erhalten Einführungen über Kindeswohl und Kindesschutz und unterschreiben anschließend eine Selbstverpflichtung.

Die Landeskirche hat bereits vor fünf Jahren für ihre rund 25.000 hauptamtlichen Mitarbeitenden und Pastoren eine Broschüre mit "Leitlinien zum Umgang mit sexuellem Missbrauch" veröffentlicht. Ein Krisenplan sieht unter anderem vor, dass bei einem begründeten Verdacht unverzüglich der Vorgesetzte zu informieren ist.

Bei allen Schritten, die dann eingeleitet würden, stehe der Wille des Opfers an erster Stelle, heißt es. Dazu gehörten Seelsorge- und Beratungsangebote, die Benachrichtigung der staatlichen Strafverfolgungsstellen oder auch eine Opfer-Täter-Mediation. Ein Pastor könne nur das veranlassen, was die Betroffenen auch zuließen.

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