Diakonische Werke in Niedersachsen gründen Dachverband

Nachricht 31. August 2010

Hannover (epd). Die Diakonischen Werke der fünf evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen haben sich zu einem Dachverband zusammengeschlossen. Durch diesen bundesweit einmaligen Schritt entstehe einer der größten Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in ganz Deutschland, sagte Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) bei der Gründungsfeier am Dienstag in Hannover. Die Diakonie sei dem Land gegenüber ein kritischer, aber stets fairer Gesprächspartner: "Staatliche Stellen alleine können nicht alle notwendigen Angebote vorhalten."

Özkan verwies jedoch auf Überkapazitäten bei den Altenheimen in Niedersachsen. Rund 19.000 neu geschaffenen Plätzen stehe ein Anstieg von nur etwa 12.000 Pflegebedürftigen entgegen. So seien die einzelnen Heime weniger ausgelastet und hätten weniger Einnahmen. Im Wettbewerb mit den privaten Pflegeanbietern habe die Diakonie durch die hohe Qualität ihrer Angebote eine gute Ausgangsposition, unterstrich die Ministerin.

Der neue Verein "Diakonie in Niedersachsen" vertritt künftig die sozialpolitischen Interessen der fünf Werke, in denen rund 50.000 Mitarbeiter tätig sind. Er verhandelt in eigener Vollmacht mit der Landesregierung und mit den Kostenträgern der sozialen Arbeit. Vorstandssprecher ist Thomas Feld von der Oldenburger Diakonie. Bisher mussten die Diakonischen Werke von Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe sowie die reformierte Diakonie mit Sitz in Leer ihre Interessen aufwendig untereinander abstimmen.

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber begrüßte bei der Feier in der hannoverschen Marktkirche den Zusammenschluss: "Wir sind als verfasste Kirche ebenso wie die Diakonie gut beraten, nicht weniger, sondern mehr Gemeinsamkeit unter unseren Kirchen herbeizuführen." Der neue Verein führe Kompetenzen zusammen, bündele Kräfte und lasse in Gesellschaft und Politik eine einheitliche diakonische Stimme hörbar werden. Angesichts der Zersplitterung in der Diakonie sei dies "bitter nötig". Weber ist auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen.

Für die Evangelisch-reformierte Kirche sagte Kirchenpräsident Jann Schmidt, es sei wichtig, dass die Diakonie gegenüber dem Land jetzt einheitlich sozialpolitische Interessen vertreten könne. Das diakonische Engagement der Kirchen werde so besser erkennbar. Die Zusammenarbeit der Diakonischen Werke sei wegweisend für weiterführende Kooperationen der niedersächsischen Kirchen.

Die einzelnen Diakonischen Werke der Landeskirchen bleiben weiterhin rechtlich selbstständig. Sie repräsentieren insgesamt rund 700 soziale Einrichtungen und 800 Kindergärten in Niedersachsen. Die zehn Fachverbände der Diakonie sind bereits auf Landesebene organisiert. Zu ihnen gehören Verbände der Altenhilfe, der Behindertenhilfe, der Jugendhilfe, der Suchtkrankenhilfe und der Hilfe für Wohnungslose.

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