Bischof Weber warnt vor Fremdenfeindlichkeit in der Debatte um Zuwanderung

Nachricht 29. August 2010

Wolfenbüttel (epd). Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber hat vor einem falschen Zungenschlag in der Debatte um Migranten in Deutschland gewarnt. Es gehöre zur Kultur eines Landes, "die Probleme, die durch Zuwanderung entstehen, so anzusprechen und zu diskutieren, dass am Ende nicht Fremdenfeindlichkeit, womöglich noch mit rassistischem Grundton dabei herauskommt", sagte Weber am Sonntag in Wolfenbüttel. Auch die Christen müssten sich fragen: "Sind unsere Türen offen für Fremde?" Positiv sei es etwa, wenn muslimische Kinder mit ihrem Imam eine Kirche besuchten und Konfirmanden die Moschee, um das für sie Fremde zu verstehen, erläuterte der Bischof in einem ökumenischen Gottesdienst.

Weber, der auch Vorsitzender des Rates der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist, warb laut seinem Redemanuskript für eine Kultur des Bewahrens. In dem Gottesdienst beim 10. Tag der Braunschweigischen Landschaft plädierte er erneut für den Sonntagsschutz. Zur Kultur in Deutschland gehöre es, dass Menschen den Sonntag als Feiertag begehen könnten: "Das muss auch so bleiben, allen ökonomischen Interessen zum Trotz." Zuviel werde gedankenlos aufgegeben und weggeworfen. Die Begräbniskultur gehe verloren, Nachbarschaftshilfe werde immer seltener, Dorfgemeinschaften lösten sich in der immer mobileren Gesellschaft auf.

Bei dem Fest unter dem Motto "Kultur verbindet eine Region" erinnerte Weber an den großen Beitrag, den das Christentum zur Kultur leiste. Dazu gehörten etwa die Kirchen im Lande, aber auch Musik und Rituale. Wie Rituale dabei helfen könnten, selbst Unvorstellbares zumindest eine Zeit lang auszuhalten, habe er erneut bei der Trauerfeier für den fünfjährigen Julian aus Delligsen erfahren: "Gebete, Lieder, Worte der Bibel - all das war hilfreich, schenkte Kraft, mit dieser Situation umzugehen", sagte der Bischof. Der Junge war vom Lebensgefährten seiner Mutter misshandelt und getötet worden.

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29.8.10