Künstlerin will Muezzin-Ruf mit gregorianischen Gesängen in evangelischer Kirche zusammenbringen

Nachricht 27. August 2010

Osnabrück (epd). In Osnabrück wird kontrovers über ein Kunstprojekt diskutiert, das den Ruf des muslimischen Muezzins mit gregorianischen Gesängen in einer evangelischen Kirche zusammenbringen will. Die Gesangskomposition "Botschaft" von Karin Maria Zimmer soll aus einem Druckkammerlautsprecher erklingen, wie er für Minarette üblich ist, sagte Christine Grewe vom städtischen Büro für Friedenskultur am Freitag. Bei der Suche nach einer Kirche habe sie bereits eine Absage bekommen.

Die Künstlerin und ausgebildete Sängerin werde das Stück selbst singen. Es wäre dann sechsmal täglich während einer Woche zu hören. Neuralgischer Punkt für die Muslime ist nach den Worten der Künstlerin vor allem, "dass eine Frauenstimme den Gesang intoniere im Unterschied zum muslimischen Gebet, das nur von Männern gesungen wird".

Anlass für das Projekt ist nach Angaben der Stadt das internationale Symposium "Religionen und Weltfrieden" über die friedensstiftende Wirkung der fünf Weltreligionen vom 20. bis 23. Oktober. Die 1970 in St. Wendel geborene Karin Maria Zimmer habe ihr Projekt bereits 2008 und 2009 in Saarbrücken und in Weingarten realisiert. Die Reaktionen in der Öffentlichkeit seien damals ebenfalls kontrovers gewesen.

Die evangelische Gemeinde St. Marien in der Osnabrücker Innenstadt habe abgesagt, weil sie zu viel Konfliktstoff befürchte, sagte Grewe. Die Südstadtkirchengemeinde in einem Stadtteil mit hohem Anteil muslimischer Zuwanderer hat nach eigenen Angaben unter Vorbehalt zugesagt. Zunächst sollten die umliegenden muslimischen Gemeinden ebenfalls zustimmen.

Der Osnabrücker Superintendent Friedemann Pannen begrüßt das Projekt. Es sei eine Herausforderung, neben dem gregorianischen Gesang auch den Muezzin-Ruf von einem christlichen Kirchturm zu hören. In der oft sehr undifferenziert geführten Debatte über den Islam sei dieses Werk ein differenzierter Beitrag. Er wünsche sich für den christlich-islamischen Dialog, "dass wir unsere verschiedenen, sich oft aber auch ergänzenden Einsichten ebenso nebeneinander stehenlassen können".

In der kommenden Woche können die muslimischen Gemeinden an einer Klangprobe teilnehmen und dann entscheiden. Falls die Moscheegemeinden das Projekt ablehnen sollten, werde sie es nicht weiter verfolgen, sagte Grewe: "Das wäre eine unnötige Provokation." Sie werde eine solche Absage auch nicht negativ bewerten. Die Auseinandersetzung mit diesem Thema sei schon ein Gewinn. "Wir müssen das dann einfach akzeptieren."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
27.8.10