Kinder und Erwerbslosigkeit bleiben größte Armutsrisiken in Niedersachsen

Nachricht 27. August 2010

Hannover (epd). Kinder und Erwerbslosigkeit bleiben in Niedersachsen die größten Armutsrisiken. Insgesamt ist der Anteil der Menschen, die von Armut gefährdet sind, 2009 gegenüber dem Vorjahr leicht auf 14,6 Prozent gesunken, teilte der Landesbetrieb für Statistik am Freitag in Hannover mit. Die Reichtumsquote in Niedersachsen stieg von 7,1 auf 7,4 Prozent. Niedersachsens Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) deutete es als "Anlass zur Hoffnung", dass sich trotz der Wirtschaftskrise die Zahl der von Armut bedrohten Menschen verringert hat.

Der Sozialverband Deutschland und der Deutsche Gewerkschaftsbund sprachen dagegen von alarmierenden Zahlen. Der Landesvorsitzende des Sozialverbandes, Adolf Bauer, warnte vor einer weiteren Öffnung der Schere zwischen Arm und Reich. "Das ist kein Anlass zum Aufatmen, sondern zur Sorge." Der DGB-Landesvorsitzende Hartmut Tölle sprach von einem deutlichen Zeichen für die soziale Schieflage in der Gesellschaft.

Etwa jeder Siebte und damit 1,14 Millionen Menschen mussten in Niedersachsen mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle auskommen. Bundesweit stieg die Quote leicht an. Im Vergleich der Bundesländer nimmt Niedersachsen einen Mittelplatz ein. Hannover hat dagegen mit 20,2 Prozent die höchste Quote unter allen deutschen Großstädten.

Unter den Erwerbslosen ist in Niedersachsen mehr als jeder Zweite (52,9 Prozent) trotz Transferleistungen wie Hartz IV gefährdet. Alleinerziehende und ihre Kinder waren zu 41,5 Prozent von Armut bedroht. Auch Familien mit mehr als zwei Kindern (24,7), Geringqualifizierte (36) und Menschen mit Migrationshintergrund (29,7) gehören zu den am meisten betroffenen Gruppen. Die Altersarmut (12,4) stieg um 0,4 Prozent am deutlichsten an.

Der DGB forderte Mindestlöhne von nicht unter 8,50 Euro, höhere Sätze beim Arbeitslosengeld II und Investitionen in die Bildung und Kinderbetreuung. Özkan kündigte eine Aktionswoche im September gegen Kinderarmut an. "Jedes von Armut betroffene Kind ist eines zu viel", sagte sie. Der Statistik aus 2009 zufolge ist fast jedes fünfte Kind unter 18 Jahren in Niedersachsen armutsgefährdet. Der sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Uwe Schwarz, warnte vor einer zunehmenden Armutsgefährdung von Kindern und Jugendlichen: "Wir brauchen endlich eine Grundsicherung für Kinder."

Gemäß einer Definition der Europäischen Union gelten Menschen als armutsgefährdet, die mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Gesamtbevölkerung auskommen müssen. Als reich gelten Menschen, die über mehr als das Doppelte des Durchschnittseinkommens verfügen.

Der Landesbetrieb errechnete seine Zahlen nach eigenen Angaben auf Basis der Durchschnittseinkommen in verschiedenen Regionen Niedersachsens. Nach den ebenfalls am Freitag veröffentlichten Zahlen des Bundesamtes für Statistik mit anderen Vergleichsgrundlagen liegt die Armutsgefährdungsquote in Niedersachsen bei 15,3 Prozent.

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