Kirchengemeinde in Verden eröffnet "Wald der Stille" mit Baumgrabstätten

Nachricht 25. August 2010

Verden (epd). Die evangelische Domgemeinde in Verden bei Bremen hat am Mittwoch einen Friedhof für Naturbestattungen unter Bäumen offiziell eröffnet. Der "Wald der Stille" ist das größte Projekt dieser Art in der hannoverschen Landeskirche. Grabstätten direkt an den Wurzeln von Bäumen gibt es in der mitgliederstärksten Landeskirche Deutschlands sonst nur noch in der Lüneburger Heide. Auf dem etwa 10.000 Quadratmeter großen Areal seien bereits knapp 30 Grabstätten belegt oder reserviert, sagte am Mittwoch Dompastorin Petra Horn: "Das Angebot wird gut angenommen."

Der parkähnliche "Wald der Stille" liegt unweit der Stadtmitte direkt neben dem kirchlichen Waldfriedhof, dessen Kapelle bei Bedarf mit genutzt werden kann. Unter dem Motto "Eins werden mit der Natur" kommen auf dem Gelände nur biologisch abbaubare Urnen in die Erde. Sie werden entweder unter bestehenden großen Bäumen, unter Neuanpflanzungen, um einen Busch herum oder auf einer Lichtung bestattet. Obelisken mit Namensplättchen erinnern an die Verstorbenen. "Anonyme Bestattungen gibt es hier nicht", betonte Horn.

"Der Wunsch, sich in der Natur beisetzen zu lassen und so zurück zur Schöpfung zu kommen, ist ein Trend der Zeit", erläuterte die evangelische Theologin. Auf dieses Bedürfnis reagiere die Gemeinde mit ihrem Angebot. Außerdem spielten für Interessenten auch aus dem Umland bis Nienburg und Bremen praktische Überlegungen wie der geringe Pflegeaufwand der Ruhestätten eine wichtige Rolle.

Im Zusammenhang mit dem "Wald der Stille" wurde ein kleiner Bereich für Fehlgeburten reserviert. Im Heideort Müden eröffnete bereits im vergangenen Jahr der erste landeskirchliche Friedhof, auf dem Bestattungen an den Wurzeln von Bäumen möglich sind. Auf dem etwa 7.500 Quadratmeter großen Gelände gebe es bis heute 15 Bestattungen und Reservierungen, sagte Gemeindepastor Christian Berndt dem epd. Auch hier sei das Interesse groß.

Mit "Friedwald" und "Ruheforst" sind deutschlandweit zwei Firmen aktiv, die Konzepte für Waldfriedhöfe vertreiben. Beide unterhalten in Deutschland bis heute fast 80 Standorte. In Niedersachsen gibt es derzeit acht Friedwälder und fünf Ruheforsten.

Die Kirchen sind zurückhaltend, was Waldbestattungen angeht. Erst im Mai 2007 wurde auf dem Schwanberg im bayerischen Unterfranken der bundesweit erste kirchliche Friedwald eingeweiht. Vertreter der Kirchen sind skeptisch gegenüber naturreligiösen Vorstellungen und esoterischen Ideen, die nicht selten mit den Waldbestattungen verbunden werden.

Internet: www.wald-der-stille.de, www.kirchliche-friedhoefe-verden.de

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25.8.10