Niedersächsische Diakonie sieht freiwilligen Zivildienst kritisch

Nachricht 24. August 2010

Hannover (epd). Die Pläne von Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) für einen freiwilligen Zivildienst stoßen bei der Diakonie in Niedersachsen auf Kritik. "Das ist weder zielführend noch sachgerecht", sagte Zivildienst-Referent Bernd Heimberg vom Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche am Dienstag dem epd. Die Diakonie fürchte, dass ein möglicherweise besser bezahlter freiwilliger Zivildienst dem Freiwilligen Sozialen Jahr Konkurrenz machen könnte.

In Niedersachsen sind Heimberg zufolge zurzeit rund 1.200 Zivis bei der Diakonie tätig, die Hälfte von ihnen in der Alten-, Kranken- und Behindertenhilfe. Das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) absolvieren rund 500 junge Menschen bei der Diakonie. Heimberg fürchtet, dass durch den freiwilligen Zivildienst eine Parallelstruktur geschaffen wird: "Wir erwarten, dass die Bundesregierung freiwerdende Mittel nach Aussetzen des Wehrdienstes in bewährte Programme wie das FSJ steckt und die Förderpauschalen deutlich anhebt."

Schröder hatte sich im Fall einer Aussetzung der Wehrpflicht für einen freiwilligen Zivildienst ausgesprochen. Dieser Dienst soll nach ihren Vorstellungen Frauen und Männern aller Altersgruppen ab 16 Jahren offenstehen. Er soll zwischen sechs Monaten und zwei Jahren dauern, in der Regel aber ein Jahr. Die Vergütung soll rund 500 Euro betragen.

Im Freiwilligen Sozialen Jahr werde dagegen ein Taschengeld von rund 350 Euro gezahlt, sagte Heimberg: "Die Bundesregierung ist gefordert, hier Klarheit zu schaffen." Allerdings könne eine Ausweitung des FSJ allein einen wegfallenden Zivildienst nicht auffangen. Bevor Wehr- und Zivildienst ausgesetzt würden, müsse es zumindest eine Übergangszeit von zwei bis drei Jahren geben, damit soziale Einrichtungen mehr Planungssicherheit haben, sagte Heimberg. "Im Augenblick fährt die Bundesregierung einen Schlingerkurs."

Der Zivildienst-Referent der größten evangelische Landeskirche in Deutschland warnte davor, die Diskussionen nur aus dem Blickwinkel der Wehrgerechtigkeit und der Wirtschaftlichkeit zu führen. "Es geht auch um die Lebensqualität der Menschen, die im Augenblick durch Zivildienstleistende betreut werden." Gleichzeitig sei der Zivildienst eine wertvolle Erfahrung für junge Männer. Viele, die zuvor keine Berührung mit alten, kranken oder behinderten Menschen gehabt hätten, entschlössen sich danach für soziale Berufe. "Das ist entscheidend auch für unsere spätere Zivilgesellschaft."

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