Kirchen und Museen erinnern an Reformationsfürstin Elisabeth

Nachricht 22. August 2010

Hann. Münden/Hannover (epd). Kirchen, Städte und Museen in Südniedersachsen und der Region Hannover erinnern am 24. August an den 500. Geburtstag der Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg (1510-1558). Die Welfen-Herzogin gilt als Wegbereiterin des evangelischen Glaubens im mittleren und südlichen Niedersachsen. Sie legte damit den Grundstein für die heutige hannoversche Landeskirche. Zugleich sorgte sie für die Erhaltung der Klöster in der Region.

Die Kirchengemeinde in Hann. Münden bei Göttingen feiert den Jahrestag nach eigenen Angaben mit einem Festprogramm in der St. Blasiuskirche. Um 18 Uhr ist dort ein Mitarbeiterfest mit einem "Geburtstagsquilt für die Herzogin und reformatorischem Essen" geplant. Dabei soll eine Ausstellung über Quilts und biblische Frauen in der Kirche um einen "Herzogin-Elisabeth-Quilt" erweitert werden. Die Fürstin residierte viele Jahre im Schloss in Hann. Münden.

In Wennigsen am Deister hat am Jubiläumstag um 19.30 Uhr in der Klosterkirche das Theaterstück "Elisabeth bin ich genannt..." Premiere. Die Klosterbühne Wennigsen bringt dabei das Leben der Herzogin auf die Bühne, sagte Pastor Burkhard Gums. Geplant sind sieben Aufführungen. Das heute evangelische Kloster Wennigsen gehört zur Klosterkammer Hannover, die aus dem von Elisabeth gegründeten Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds hervorging.

Die St. Sixtigemeinde und die Stadttouristik in Northeim feiern das Jubiläum am Jahrestag um 19.30 Uhr "mit Geburtstagstorte und Anekdoten" im Sixti-Gemeindehaus. Der frühere hannoversche Landesbischof Horst Hirschler referiert um 20 Uhr in der nach der Fürstin benannten Elisabethkirche in Langenhagen bei Hannover. Am 29. August lädt Regionalbischof Eckhard Gorka alle lutherischen Elisabeths aus Hann. Münden zu einem Gottesdienst um 10 Uhr in die St. Blasiuskirche ein.

Vor und nach dem 24. August sind auch zahlreiche Lesungen des neuen Romans "Die Reformatorin" über Elisabeth von Calenberg-Göttingen aus der Feder der Schriftstellerin Eleonore Dehnerdt geplant. Zudem erinnern Exkursionen, Ausflüge, historische Führungen durch Hann. Münden und das Welfenschloss sowie Vorträge, Konzerte und weitere Gottesdienste an die Reformationsfürstin. Unter anderem sprechen der ehemalige Landtagspräsident Jürgen Gansäuer und Klosterkammer-Präsidentin Sigrid Maier-Knapp-Herbst.

Internet: www.herzogin-elisabeth.de

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
22.8.10

Stichwort: Reformationsfürstin Elisabeth von Calenberg

Hannover (epd). Die Welfen-Herzogin Elisabeth von Calenberg-Göttingen (1510-1558) gilt als Wegbereiterin des evangelischen Glaubens im mittleren und südlichen Niedersachsen. Sie ließ durch den lutherischen Pfarrer Antonius Corvinus (1501-1553) aus Hessen 1542 im Fürstentum Calenberg-Göttingen die Reformation einführen. Damit legte sie den Grundstein für die heutige Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers. Die Landeskirche und die Klosterkammer Hannover erinnern in diesem Jahr an den 500. Geburtstag der Fürstin.

Mit einer Klosterordnung gab Elisabeth außerdem den entscheidenden Impuls für die Erhaltung der Klöster in der Region und sorgte dafür, dass sie bis heute getrennt vom Staatsvermögen verwaltet werden. Aus dem damals gegründeten Allgemeinen Hannoverschen Klosterfonds entwickelte sich die Klosterkammer Hannover als staatliche, aber kirchennahe Behörde. Diese verwaltet heute unter anderem 17 Klöster und Stifte sowie 43 evangelisch und katholisch genutzte Kirchen und Dome.

Elisabeth wurde am 24. August 1510 als Tochter des Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg in Cölln im heutigen Berlin geboren. Als 15-Jährige wurde sie 1525 mit dem 40 Jahre älteren, verwitweten und kinderlosen Herzog Erich I. von Braunschweig-Lüneburg im Fürstentum Calenberg-Göttingen verheiratet. Mit ihm hatte sie vier Kinder. Weil ihr Mann sich nach Jahren wieder seiner früheren Geliebten zugewandt hatte, ließ Elisabeth 1533 die Nebenbuhlerin als Hexe verfolgen.

Durch Besuche in Wittenberg lernte sie 1534 Martin Luther kennen. 1538 bekannte sie sich öffentlich zum lutherischen Glauben. Nach dem Tod ihres Mannes, der zeitlebens katholisch geblieben war, übernahm sie von 1540 bis 1545 die Regentschaft für ihren noch unmündigen Sohn Erich II. 1542 ernannte sie Antonius Corvinus zum Landessuperintendenten und veröffentlichte eine evangelische Kirchen- und Klosterordnung für Calenberg-Göttingen. 1546 heiratete sie den thüringischen Grafen Poppo von Henneberg. Am 25. Mai 1558 starb sie in Ilmenau in Thüringen.

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22.8.10