Evangelische Kirche begrüßt geplante Chipkarte für Bildung

Nachricht 13. August 2010

Hannover (epd). Die evangelischen Kirchen in Niedersachsen haben die geplante Einführung einer Bildungs-Chipkarte für Kinder in Deutschland begrüßt. "Das ist ein guter Weg", sagte die Bevollmächtigte für Schulangelegenheiten, Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track, am Freitag in Hannover dem epd. Die Karte komme dem Anliegen der Kirchen entgegen, möglichst viele Kinder und Jugendliche an Bildungsveranstaltungen zu beteiligen.

Entscheidend sei, dass Kinder aus armen Familien nicht stigmatisiert würden. Auch der hannoversche Diakonie-Direktor Christoph Künkel begrüßte den Vorschlag von Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU). Sie will bis zum Jahreswechsel Bildungs-Chipkarten für Hartz-IV-Kinder einführen. Das Vorhaben soll möglicherweise auf alle Kinder ausgeweitet werden.

Die Karten sollen den Zugang zu Musikunterricht oder Sportvereinen sowie zu Schwimmbad- oder Museumsbesuchen ermöglichen. Vorbild ist die Familiencard der Stadt Stuttgart. Dort erhalten Kinder und Jugendliche bis 16 Jahre, deren Eltern weniger als 60.000 Euro brutto im Jahr verdienen, mit der Karte ein Guthaben von 60 Euro. Das Bundesarbeitsministerium denkt über eine Summe von 200 Euro für Hartz-IV-Kinder nach.

"Es ist ganz wichtig, dass möglichst alle eine solche Chipkarte haben", betonte Gäfgen-Track. So sei nicht ersichtlich, wer aus einer Hartz-IV-Familie komme und wer nicht. Kinder aus reichen Familien könnten die Karte von den Eltern aufladen lassen. Mit einem vergleichbaren Kartensystem werde derzeit das Mittagessen im evangelischen Gymnasium Andreanum in Hildesheim bezahlt. Die Theologin regte an, die Karte mit Fahrausweisen für den Nahverkehr zu kombinieren. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) habe bereits vor zwei Jahren eine Chipkarte für Bildung angeregt.

Diakoniedirektor Künkel betonte, alle Kinder müssten einen gerechten Zugang zu Bildung, Kultur und Sport bekommen. Deshalb könne er sich eine Chipkarte nach dem Stuttgarter Vorbild gut vorstellen. Allerdings könnten mit einer solchen Karte Probleme in ländlichen Gebieten entstehen. Es stelle sich die Frage, wie Kinder hier die Bildungsangebote überhaupt erreichen könnten und wer ihnen in den Ferien das Busticket bezahle. Hier seien flexible und intelligente Lösungen gefordert.

Hintergrund des Vorschlages für die Chipkarte ist ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar. Das Gericht hatte in seinem Urteil die Berechnungsgrundlage für die Hartz-IV-Regelsätze beanstandet. Bei Kindern müssen dem Gericht zufolge Ausgaben für Bildung stärker berücksichtigt werden.

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13.8.10