EKD betrachtet "Street-View" von Google zwiespältig

Nachricht 11. August 2010

Berlin/Bremen/Hannover (epd). Die Datenschutzbeauftragten der evangelischen Kirchen betrachtet den umstrittenen geplanten Dienst "Street View" des Internet-Konzerns "Google" zwiespältig. "Wir schließen uns den Forderungen der weltlichen Datenschützer nach dem Schutz der Privatsphäre und der Offenlegung der gewonnen Daten an", sagte der Datenschutzbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Oberkirchenrat Detlef Rückert, am Mittwoch in Berlin dem epd: "Andererseits hat die Kirche ein Interesse daran, dass ihre Kirchengebäude als öffentliche Einrichtungen zu sehen sind."

Es sei nicht daher sinnvoll, alle kirchlichen Gebäude auf den Darstellungen von Google löschen zu lassen, sagte Rückert. Auch kirchliche Verwaltungsgebäude sollten zu erkennen sein. Anders liege der Fall möglicherweise bei Pfarrhäusern. Es dürfe keinesfalls zu erkennen sein, wer bei seinem Pastor um Hilfe bitte.

Für die Datenschutzbeauftragte der Bremischen Evangelischen Kirche, Stefanie Petersen, ist besonders die jetzt angelaufene kurze Einspruchsfrist im Internet von vier Wochen problematisch. Es sei auch nicht klar, was bei Google mit den persönlichen Daten passiere, die bei einem Widerspruch genannt werden müssten. "Sie müssen so schnell wie möglich gelöscht werden", forderte die Expertin, die auch stellvertretende Datenschutzbeauftragte im Land Bremen ist. Auf den Vorschlag, Widersprüche über eine Treuhandstelle zu regeln, habe sich Google nicht eingelassen.

Bei öffentlichen Kirchengebäuden sieht Petersen keine Probleme. Es könne im Informationsinteresse der Bevölkerung liegen, Kirchen und Gemeindezentren bei Google anschauen zu können. Anders sei die Lage bei Gemeindemitgliedern. Auch Privathäuser gehörten zu schützenswerten personenbezogenen Daten, weil sie im Internet mühelos mit anderen Informationen verknüpft werden könnten und dann eventuell eine Flut von Werbebriefen auslösten.

Auch die hannoversche Landeskirche unterstützt als größte evangelische Landeskirche die Forderungen der Datenschützer. Kirchensprecher Johannes Neukirch riet den Kirchenvorständen, sie sollten die Lage diskutieren und entscheiden, ob sie Widerspruch für bestimmte Gebäude wie Kindergärten einlegen.

Google will eigenen Angaben zufolge im Herbst in Deutschland seinen Street-View-Dienst mit der Darstellung von Straßenzügen und Gebäuden im Internet starten. Zunächst sollen in den 20 größten deutschen Städten dreidimensionalen Fotoansichten aller Gebäude gezeigt werden, die an öffentlichen Straßen stehen. Dazu gehören Berlin, Bonn, Bremen, Bielefeld, Bochum, Dresden, Dortmund, Düsseldorf, Duisburg, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, München, Mannheim, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal.

Bereits seit 2008 werden laut Google Foto-Aufnahmen in allen Landkreisen und kreisfreien Städten gemacht. 2010 seien nur noch Lücken gefüllt worden. Gegen die Aufnahmen kompletter Straßenzüge hat es in Deutschland erhebliche Vorbehalte gegeben. Bislang sind im Internet noch keine Straßen deutscher Kommunen abrufbar. Virtuelle Rundgänge durch fast alle westeuropäischen und US-amerikanischen Städte sind dagegen bereits möglich.

Internet:http://maps.google.de/help/maps/streetview/

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11.8.10