Jugendpastorin verlangt Konsequenzen aus Missbrauchsfall in Hannover

Nachricht 10. August 2010

(epd-Gespräch)

Hannover (epd). Nach dem Bekanntwerden eines Falles von jahrelangem sexuellen Missbrauch durch einen ehrenamtlichen christlichen Jugendleiter in Hannover hat die evangelische Landesjugendpastorin Cornelia Dassler Konsequenzen angemahnt. "Es muss alles dafür getan werden, dass Anzeichen für Missbrauch rechtzeitig erkannt werden", forderte sie am Dienstag im epd-Gespräch in Hannover. Die Schulungen für Mitarbeiter zum Kindeswohl nach den Standards der Evangelischen Jugend müssten verstärkt werden.

Im aktuellen Fall war der regelmäßige Missbrauch von mindestens sechs Jungen über Jahre hinweg nicht entdeckt worden. Die Fälle von vier Jungen werden derzeit vor dem Landgericht Hannover verhandelt. Dem Täter Peter E., einem 45-jährigen gelernten Bäcker, drohen bis zu sieben Jahre Haft. Er hatte sich als Gruppenleiter der "Christlichen Jungenschaft Hannover" auf Zeltlagern und in seiner Privatwohnung an den Jungen vergangen. Teilweise hatten die Jungen bei Fahrten mit ihm in seinem VW-Bus übernachtet.

"Wir wünschen uns, dass die Landeskirche ihre Fördergelder künftig davon abhängig macht, dass Gefährdungen des Kindeswohls wie sexueller Missbrauch mit Jugendmitarbeitern eingehend besprochen werden", sagte Dassler. Weiterhin müssten die Standards der Evangelischen Jugend unterschrieben werden. Dazu gehöre die nötige Distanz zwischen Betreuern und Betreuten. Es müsse deutlich sein, dass Täter in der kirchlichen Jugendarbeit nichts zu suchen hätten.

Zudem müssten Pastorinnen und Pastoren sich ihrer Verantwortung für die Kinder- und Jugendarbeit noch bewusster werden und genau hinschauen, was in der Zuständigkeit ihrer Gemeinden geschehe: "Sie müssen sicher sein, dass es dort mit rechten Dingen und den Standards entsprechend zugeht." Der angeklagte Gruppenleiter hatte seine Opfer in den Räumen einer evangelischen Gemeinde kennengelernt, in denen sich die Gruppe traf. Die pfadfinderähnliche "Christliche Jungenschaft", Mitglied der Evangelischen Jugend, ist als freier Verband organisiert. Sie betont ihre Nähe zur Kirche, möchte aber zugleich unabhängig bleiben.

Die Evangelische Jugend erreicht laut Dassler mit ihren Freizeiten und anderen Angeboten in Niedersachsen rund 10,9 Prozent der Jugendlichen. In diesem Jahr sind mehr als 10.000 Jugendliche zu etwa 400 Zeltlagern und Freizeiten von Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen unterwegs. Rund 10.000 junge Leute bis 27 Jahre haben eine Jugendleiterkarte, die durch Schulungen erworben wird. In der hannoverschen Landeskirche, die drei Viertel Niedersachsens umfasst, finden Dassler zufolge jährlich rund 200 Schulungen statt.

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10.8.10