Diakonie schließt Altenpflegeschule in Lilienthal - Kritik an Arbeitsbedingungen: "So schlecht wie nie"

Nachricht 09. August 2010

Lilienthal/ Kr. Osterholz (epd). Das Diakonische Ausbildungs-Zentrum in Lilienthal bei Bremen schließt nach fast 30 Jahren seine Altenpflegeschule. Am 27. August gehen die letzten Schülerinnen mit ihrem Examen ab, sagte Schulleiterin Brigitte Lange (48) am Montag dem epd. "Es gibt eine riesige Diskrepanz zwischen den wenigen Bewerbungen für eine Ausbildung und dem hohen Bedarf nach examinierten Pflegekräften auf dem Arbeitsmarkt", erläuterte Lange das Ende der Schule.

Die Gründe dafür sieht Lange unter anderem in den Bedingungen für die Altenpflege, die "so schlecht wie noch nie" seien. Zwar sei die Bewerberzahl von Schule zu Schule unterschiedlich. Aber allgemein gelte: "In den Einrichtungen wird die Zeit immer knapper und der Druck steigt, die Arbeit zu schaffen." Dadurch sinke auch die Zeit, die für die Anleitung angehender Altenpflegerinnen und Altenpfleger bleibe. Überdies sei der Verdienst bei hoher Verantwortung oft schlecht. Die Zahl der praktischen Ausbildungsplätze reiche nicht.

Eine Mitverantwortung für die Misere sieht Lange bei den privaten Diensten, die in den zurückliegenden Jahren durch niedrige Löhne die Pflegesätze gedrückt und damit eine Abwärtsspirale bei den Erlösen beschleunigt hätten. Dies habe zu Einschnitten beim Personal geführt. "Bei Notbesetzungen findet Ausbildung nicht statt." Verschärft werde die Lage zudem, weil examinierte Kräfte einen immer größeren Teil ihrer Arbeitszeit in die Dokumentation ihrer Tätigkeit investieren müssten.

Lange hat die Lilienthaler Schule zehn Jahre geleitet. Um den Beruf wieder attraktiver zu machen, müsse mehr Geld in das System, damit Einrichtungen und Dienste Tariflöhne zahlen könnten, forderte sie. "So lange wir das nicht erreichen, können wir andere Aktionen wie Imagekampagnen für den Beruf mit Plakaten vergessen." Die Einführung eines Mindestlohns zum 1. August sei zwar ein erster Schritt gewesen. Doch mehr als eine "Linie nach unten" seien die 7,50 Euro brutto pro Stunde im Osten und 8,50 Euro im Westen nicht. "Der Fachkräftemarkt ist leer."

Internet: www.dah-lilienthal.de