Roma-Frauen im Kirchenasyl: Kommission will sich nicht mit Härtefällen beschäftigen

Nachricht 09. August 2010

Hannover/ Rotenburg (epd). Das Schicksal zweier Roma-Flüchtlingsfrauen im Rotenburger Kirchenasyl kommt nicht vor die niedersächsische Härtefallkommission. Dies habe das Gremium in der vergangenen Woche mit großer Mehrheit beschlossen, sagte die Vorsitzende Tina-Angela Lindner am Montag dem epd. "Die Fälle können laut Verordnung nicht angenommen werden, weil zum Zeitpunkt der Eingabe bereits ein Abschiebetermin feststand." Ausnahmen seien nicht möglich. Die 70 und 49 Jahre alten Frauen sollen nach Serbien abgeschoben werden und leben deshalb seit dem 21. April im Kirchenasyl der Rotenburger Auferstehungsgemeinde.

Rotenburgs Superintendent Hans-Peter Daub sieht für die beiden kranken Frauen keine Lebensperspektive in Serbien. Solange aber keine Perspektive existiere, werde das Kirchenasyl nicht aufgehoben. Bei den Roma-Frauen handelt es sich um Mutter und Tochter, die aus dem Kosovo stammen und nie in Serbien gelebt haben. Sie sind den Angaben zufolge mit ihrem 22-jährigen Enkel und Sohn seit 19 Jahren in Deutschland.

Daub ergänzte, sie seien auf die Unterstützung des jungen Mannes angewiesen, der in Rotenburg eine Ausbildung absolviere und sich ein eigenes Bleiberecht erworben habe. "Wofür haben wir eine Härtefallkommission, wenn sich das Gremium nicht mit Härten beschäftigt?", kritisierte der leitende Theologe. Er widersprach auch der Kommissionsvorsitzenden: "Als der Antrag gestellt wurde, bestand kein Abschiebetermin."

Würden die Frauen abgeschoben, wäre der junge Mann gezwungen, sie zu begleiten, mahnte Daub. Damit wäre seine Integrationsleistung in Deutschland zunichtegemacht: "Das hieße, sein Leben zu zerstören." Neben einem örtlichen Unterstützerkreis fordern unter anderen die Landesarbeitsgemeinschaft kommunaler Frauenbüros in Niedersachsen und der Landesfrauenrat ein dauerhaftes Aufenthaltsrecht für die Betroffenen. "Für die gesundheitlich angeschlagenen Frauen ist die derzeitige Situation nicht länger zumutbar", mahnte die Vorsitzende Cornelia Könneker.

Internet: www.kirche-rotenburg.de

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