Margot Käßmann übernimmt Gastprofessur in Bochum

Nachricht 04. August 2010

Hannover/Bochum (epd). Die ehemalige hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann übernimmt im Januar 2011 eine Gastprofessur an der Ruhr-Universität Bochum. Die einstige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) werde ein Jahr lang auf dem Gebiet der Ökumene und Sozialethik forschen und lehren, sagte die stellvertretende Sprecherin der Evangelischen Kirche in Deutschland, Silke Römhild, am Mittwoch auf epd-Anfrage in Hannover.

Die Theologin übernehme die neu eingerichtete Max-Imdahl-Gastprofessur. Sie soll nach Angaben der Hochschule an den 1988 verstorbenen Professor für Kunstgeschichte erinnern, der zur Gründergeneration der Universität gehörte. Käßmann habe sich nie von Fachgrenzen einschränken lassen, heißt es in der Begründung der Hochschule. Sie habe sich "mit verschiedensten Themen befasst und immer wieder in überzeugender Weise unterschiedliche Wissenschaftsdisziplinen verbunden und auf aktuelle, die Gesellschaft bewegende Fragestellungen bezogen".

Die 52-Jährige habe beispielhaft zum Wissenstransfer theologischer Theorie in die Öffentlichkeit beigetragen und sei daher für die Gastprofessur hervorragend qualifiziert, sagte Rektor Elmar Weiler. Hunderte Fachartikel und 40 Bücher in den vergangenen zehn Jahren zeugten von Käßmanns umfangreicher wissenschaftlicher Arbeit. Unter anderem habe sie Impulse gegeben für die gegenwärtige Kirchenreformdebatte, die Bildungsverantwortung der Kirche und auch für die sozialethischen Herausforderungen der Gegenwart. Dazu gehörten die Sterbebegleitung, die sozialethische Bewertung von Babykörbchen, Kinderarmut, Asylrechtspraxis und Geschlechterdiskriminierung. Ihre kritischen Äußerungen zum Bundeswehreinsatz in Afghanistan Anfang des Jahres hätten große Resonanz in den Medien hervorgerufen.

Käßmann, die im Februar nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von allen Ämtern zurückgetreten war, geht Ende August zunächst für vier Monate an die Emory-Universität in Atlanta im Südosten der USA. Die geschiedene Mutter von vier erwachsenen Töchtern war Medienberichten zufolge in der vergangenen Woche von Hannover nach Berlin gezogen.

Die geborene Marburgerin promovierte 1989 an der Ruhr-Universität bei dem späteren Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, Konrad Raiser, über das Thema "Armut und Reichtum als Anfrage an die Einheit der Kirche". Von 1994 bis 1999 war sie Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Fulda und danach elf Jahre lang Bischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers. Im Oktober 2009 wurde sie zur EKD-Ratsvorsitzenden gewählt und war damit oberste Repräsentantin von rund 25 Millionen Protestanten.

Die 1962 gegründete Ruhr-Universität war die erste Hochschulneugründung in der Bundesrepublik. Sie zählt heute mit mehr als 30.000 Studenten zu den zehn größten Universitäten in Deutschland und versteht sich selbst als Reformuniversität.

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4.8.2010