3.500 Menschen protestieren in Wolfsburg gegen Sparpaket

Nachricht 23. Juni 2010

Wolfsburg (epd). Rund 3.500 Menschen haben am Mittwochabend in Wolfsburg gegen das Sparpaket der Bundesregierung potestiert. Hauptredner bei der Protestkundgebung der IG Metall waren der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel und der Parteivorsitzende der Linken, Klaus Ernst.

Gabriel erntete Pfiffe, als er auf Probleme bei der Finanzierung der Renten hinwies. Die demografische Entwicklung lasse sich nicht leugnen, sagte der SPD-Politiker. Ernst forderte Gabriel auf, sich an einem breiten Bündnis für soziale Gerechtigkeit zu beteiligen. Er sagte, es seien nicht die Rentner oder Hartz-IV-Empfänger und auch nicht die Arbeitnehmer, die über ihre Verhältnisse gelebt hätten. Die Arbeitnehmer seien zur "Melkkuh der Bundesrepublik" geworden.

Der Vorsitzende des VW-Konzernbetriebsrates, Bernd Osterloh, sagte, wenn die schwarz-gelbe Bundesregierung so weiter mache, würden demnächst Tausende zu Demonstrationen nach Berlin fahren. Die Arbeitnehmer seien nicht länger bereit, allein die Zeche einer verfehlten Politik zu zahlen.

Der evangelische Superintendent Hans Joachim Lenke appellierte an die Politiker, den sozialen Frieden im Land nicht zu gefährden. Soziale Gerechtigkeit sei eine Klammer der Gesellschaft. Jungen Menschen aus armen, bildungsfernen Familien dürften nicht die ohnehin spärlichen Chancen zu einer erfolgreichen Schul- und Berufslaufbahn genommen werden. Der Superintendent sagte: "Es kann nicht sein, dass bei gleicher Begabung ein Akademikerkind viermal so große Chancen hat, einen qualifizierten Schulabschluss zu machen, wie ein Kind aus bildungsfernen Schichten."

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
23.6.2010