Kulturpreis der Landeskirche geht an "Moschee DE" und an "Kunst und Begegnung Hermannshof e.V." / Kulturförderpreis geht an "Fünf vor der Ehe"

Nachricht 23. Juni 2010

Der mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Kulturpreis der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers geht zu gleichen Teilen an das im Februar 2010 uraufgeführte Theaterstück „Moschee DE“ am Schauspiel Hannover und an den Verein „Kunst und Begegnung Hermannshof e.V.“ in Völksen bei Springe. Der mit 5.000 Euro dotierte Kulturförderpreis geht an die A-Cappella-Band "Fünf vor der Ehe". Der erstmals vergebene Kulturpreis ist in dieser Form einmalig im Bereich der evangelischen Landeskirchen in Deutschland. Eine Jury aus Kirche und Kultur hat künstlerische Werke und Kulturträger aus den Sparten Bildende Künste, Literatur, Musik, Theater und Film begutachtet und daraus die drei Preisträger gekürt.

Das Theaterstück „Moschee DE“, so die Jurybegründung, ist eine szenische Rekonstruktion der Streitigkeiten im Umfeld eines Moscheebaues in Berlin-Heinersdorf. Autoren sind der Schriftsteller und Journalist Kolja Mensing und der Filmregisseur Robert Thalheim, der für die Uraufführung in Hannover auch Regie führte. „Moschee DE“ webt die komplexen Fragen von eigenen Überzeugungen, von biographischen und kulturellen Unterschieden virtuos in eine Collage, die den Zuschauer dazu herausfordert, sich mit den eigenen Glaubensgrundsätzen auseinanderzusetzen und Position zu beziehen. Moschee DE ist eine Provokation und eine konstruktive Herausforderung zugleich. Das Theaterstück ist ein durchaus kirchenkritischer Weckruf, eigene und tragfähige Glaubenspositionen zu finden, um zukunftsfähig zu werden im verantwortlichen Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen.

Der Verein „Kunst und Begegnung Hermannshof e.V.“, so die Jurybegründung, verantwortet seit fast 20 Jahren ein ambitioniertes spartenübergreifendes Forum zur Begegnung mit zeitgenössischer Kunst und Kultur. Die besondere Aufmerksamkeit des künstlerischen Leiters Eckhart Liss gilt Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten, zwischen Natur und Kunst, Kunst und Religion mit Projekten, die stets nah am Puls der Zeit sind und einen hohen kulturvermittelnden Anspruch innehaben. Kooperationsprojekte vergangener Jahre wie „Peregrinatio“, „Das Paradies ist umgezogen“ und „Lux Aeterna“ nehmen dabei explizit religiöse Fragen und protestantische Herausforderungen auf. Das Projekt „Kultur macht Schule“ und die Einbeziehung von Kindern und Jugendlichen in anspruchsvolle zeitgenössische Kunst tragen zur Preiswürdigkeit bei.

Die junge A-Cappella-Band „Fünf vor der Ehe“, so die Jurybegründung für den Förderpreis, zeichnet sich dadurch aus, dass sie in einem populären musikalischen Sektor auf hohem künstlerischem Niveau arbeitet. Ihre Songs zeigen keine Berührungsängste vor spirituellen und kirchlichen Themen und sind ein mitreißender generationsübergreifender Show-Act.

Die Preisverleihung findet am 2. November 2010 um 19 Uhr in St. Michaelis in Hildesheim statt und ist einer der Höhepunkte der 1000-Jahr-Feierlichkeiten. Der stellvertretende Landesbischof Hans-Hermann Jantzen wird die Preise überreichen: „Mir liegt daran zu zeigen, wie wichtig uns als Landeskirche die genaue Wahrnehmung und Würdigung des aktuellen künstlerischen Schaffens hier in Niedersachsen ist. Die zeitgenössischen Künste fordern uns als Kirche zukunftweisend heraus. Mit ihnen gemeinsam wollen wir wahrhaftige Räume der Begegnung schaffen.“

Die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers vergibt den mit 10.000 Euro dotierten Kulturpreis und den mit 5.000 Euro dotierten Kulturförderpreis im Jahr 2010 zum ersten Mal. Ihr Anliegen ist es, den Dialog zwischen den zeitgenössischen Künsten und der evangelischen Kirche zu fördern und zu intensivieren. Der Kulturpreis zeichnet künstlerische Werke und Positionen im Raum der hannoverschen Landeskirche aus, die Durchlässigkeit auf das Evangelium hin aufzeigen. Sie regen zur Auseinandersetzung mit Themen der protestantischen Tradition an und fordern diese heraus. Der Kulturförderpreis zeichnet junge Künstlerinnen und Künstler aus, die für ihr zukünftiges Schaffen und ihre Dialogfähigkeit zwischen Kunst und Kirche ermutigt werden sollen.


Mitglieder der Kulturpreis-Jury:
Sprecher: Hans Werner Dannowski, Stadtsuperintendent i. R., Hannover, Nestor der kirchlichen Kunst- und Kulturarbeit seit den 1980er Jahren

PD Dr. Jochen Arnold, Direktor des Michaelisklosters Hildesheim
Dr. Sabine Hellweg, Mitglied im Synodalausschuss Öffentlichkeitsarbeit, Medien und Kultur
Pastorin Silvia Mustert, Persönliche Referentin Bischofskanzlei Hannover
Dr. Claus Röck, Kulturredakteur, NDR Kultur, Redaktion Religion und Gesellschaft
Gabriele Sand, Kustodin, Sprengel Museum Hannover
Prof. Dr. Wolfgang Schneider, Dekan, Stiftungsuniversität Hildesheim, Kulturwissenschaften und Ästhetische Kommunikation
Dr. Gesa Schönermark, Referentin Musik, Literatur, Bildung, Wissenschaft, Stiftung Niedersachsen

Geschäftsführung:
Dr. Julia Helmke, Beauftragte für Kunst und Kultur, Haus kirchlicher Dienste Hannover

Moschee DE:

Robert Thalheim (geb. 1974 in Berlin) ist Theaterregisseur und Filmemacher. In seinem 2007 in Cannes aufgeführten Spielfilm „Am Ende kommen Touristen“ beschäftigte er sich mit den Erfahrungen eines Zivildienstleistenden in der Gedenkstätte Auschwitz

Kolja Mensing (geb. 1971 in Oldenburg) ist Journalist, Schriftsteller und Literaturkritiker. 2002 erschien sein Roman „Wie komme ich hier raus? Aufwachsen in der Provinz“, 2007 der Erzählband „Minibar“. Für den Dokumentarfilm „13ter Shop“ recherchierte er den Alltag in einem Einkaufszentrum.

Das Theaterstück „Moschee DE“ steht ab September 2010 wieder auf dem Spielplan des Schauspiel Hannover.
www.schauspielhannover.de


„Kunst und Begegnung“ Hermannshof e.V.:
Künstlerischer Leiter ist Eckhart Liss (geb. 1958 in Springe), Instrumentenbauer, Plastiker (von Elfenbein bis Landschaftsarchitektur), Musiker (Querflöte) und Musikdozent, Kulturmanager und künstlerischer Leiter des Hermannshof e.V. (seit 1991).
www.hermannshof.de


Fünf vor der Ehe:
Die Sänger von Fünf vor der Ehe – Chris, Eiko, Sascha, Til und Tobi – lernten sich im Studium an der Hochschule für Musik und Theater Hannover kennen und blicken unter anderem auf langjährige Erfahrung als Chorleiter, Sänger und Organisten im Bereich der Landeskirche zurück.
www.vorderehe.de


Ansprechpartnerin:
Dr. Julia Helmke, Haus kirchlicher Dienste (www.kirchliche-dienste.de)
Telefon: 0511 1241-432
E-Mail: helmke@kirchliche-dienste.de
Internet: www.kunstinfo.net/kulturpreis/


Hannover, 23.6.2010
Pressestelle der Landeskirche
Dr. Johannes Neukirch
Pressesprecher