Von Abschiebung bedrohte Roma und Aschkali erhalten Kirchenasyl in Göttingen

Nachricht 22. Juni 2010

Göttingen (epd). Drei von der Abschiebung bedrohte Flüchtlinge aus dem Kosovo haben in Göttingen Kirchenasyl erhalten. Die jungen Männer im Alter von 17 bis 23 Jahren gehören zu einer Gruppe von Flüchtlingen aus der Stadt und dem Landkreis Göttingen, die in der Nacht zum Dienstag in den Kosovo abgeschoben werden sollten. Eine Abschiebung wäre ein "Skandal", sagte der evangelische Ausländerpastor Peter Lahmann am Dienstag vor Journalisten. Er hoffe, dass mit dem Kirchenasyl Zeit gewonnen werde, um neue rechtliche Aspekte in das Verfahren einzubringen.

"Das Kosovo ist zwar unabhängig geworden, die Menschenrechte für Minderheiten wie Roma und Aschkali werden aber nicht respektiert", sagte Jasna Causevic von der "Gesellschaft für bedrohte Völker" in Göttingen. Zwei der drei Flüchtlinge zählen zur Minderheit der Aschkali, einer ist Roma. Die Lebensbedingungen für sie wären im Kosovo "erbärmlich", so Lahmann. Es gebe keine Arbeit, nur unzureichende medizinische Versorgung und die Ernährungssituation sei schlecht, besonders für Kinder.

Der Kirchenvorstand der Christophorus-Gemeinde, bei der die Männer Zuflucht gesucht haben, hatte sich kurzfristig entschlossen, das Kirchenasyl zu gewähren. "Es ist unsere Christenpflicht, Menschen in Not beizustehen", sagte Pastorin Elke Reichardt. Nun sollten die Politiker überzeugt werden, dass die Abschiebung für Minderheiten ins Kosovo aus humanitären Gründen nicht möglich sei.

Die beiden Brüder Jetmir (19) und Ramadan Kryezin (23) sind nach eigenen Angaben vor 19 Jahren als Kleinkinder nach Deutschland gekommen. Sie fühlten sich als Deutsche, sagte Ramadan. Bei ihnen ist auch ihr zwölfjähriger Bruder Hamit. Er sei zwar nicht von Abschiebung bedroht, aber ihre Eltern lägen beide im Krankenhaus. Darum müssten sie ihn im Kirchenasyl betreuen. Unterstützer bezeichnen die Familie als gut integriert. "Wir kennen die deutsche Geschichte besser als die des Kosovo", sagte Ramadan. Der dritte Flüchtling im Kirchenasyl ist der 17-jährige Florim Berisha. Nach Angaben einer Unterstützerin seien ihre Eilanträge mit der Begründung abgelehnt worden, sie seien nicht integriert.

In der Nacht zum Dienstag sollten nach Informationen des Verwaltungsgerichts insgesamt 24 Flüchtlinge aus der Region Göttingen ins Kosovo abgeschoben werden. Das Verwaltungsgericht Göttingen hatte die Abschiebungen nur teilweise gestoppt. Zwei Familien mit insgesamt elf Personen dürfen demnach vorerst bleiben, sagte ein Sprecher am Dienstag.

Eine der beiden Familien darf nach der Entscheidung des Gerichts bleiben, weil der Vater Arbeit in einem Göttinger Betrieb hat und damit die wirtschaftliche Basis der Familie gesichert sei. Der Vater der anderen Familie liege im Krankenhaus und müsse Deutschland ebenfalls nicht verlassen.

Die Eilanträge auf Rechtsschutz der anderen Familien mit insgesamt 13 Mitgliedern wurden dagegen abgelehnt. Nach Angaben eines Sprechers der Stadt Göttingen konnten die Abschiebungen aber nicht vollzogen werden, weil die Flüchtlinge untergetaucht seien.

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22.6.2010