Landessuperintendentin Spieckermann für moderne islamische Theologie

Nachricht 21. Juni 2010

Professor Özsoy: Muslime brauchen akademischen Raum

Hannover (epd). Die hannoversche evangelische Regionalbischöfin Ingrid Spieckermann hat die Entwicklung einer modernen islamischen Theologie in Deutschland begrüßt. "Das ist ein immens wichtiger Schritt", sagte sie am Montag beim traditionellen Johannisempfang des evangelischen Sprengels in Hannover. Eine wissenschaftliche Theologie trage dazu bei, den Islam aus Hinterhof-Moscheen herauszuholen und dialogfähig zu machen.

In der öffentlichen Meinung werde der Islam häufig immer noch mit Fundamentalismus, rückwärts gewandtem Traditionalismus und Demokratieferne in Verbindung gebracht, sagte Spieckermann vor rund 150 Gästen aus Politik, Kirche und Gesellschaft. Durch die Wissenschaft werde der Dialog auf einen akademischen Standard gehoben. Für die Kirchen sei der Islam damit in neuer Weise ein Gesprächspartner auf Augenhöhe.

Der deutsche Wissenschaftsrat hatte Anfang des Jahres empfohlen, an zwei bis drei Universitäten Institute für islamische Studien zu etablieren. Dort soll islamische Theologie nach dem Vorbild der evangelischen und katholischen Theologiewissenschaft betrieben werden. Zugleich sollen Imame und Lehrer für den islamischen Religionsunterricht ausgebildet werden. Eine wissenschaftlich fundierte Ausbildung islamischer Religionslehrer gibt es derzeit bereits in Osnabrück und Frankfurt/Main.

Der islamische Theologe Professor Ömer Özsoy sagte in seinem Festvortrag zum Them "Islam und Reform", die Muslime brauchten einen akademischen Raum, um sich theologisch weiterentwickeln zu können." In Europa werde die Erwartung an sie herangetragen, sich dem Geist der Aufklärung zu stellen. Er rate allerdings dazu, die Erwartungen zu mäßigen, sagte Özsoy, der an der Universität in Frankfurt/Main eine Stiftungsprofessur des türkischen Staates inne hat. Die Masse der Gläubigen dürfe nicht überfordert werden.

Der Generalsekretär des Dachverbandes der türkischen Muslime, Ali Ihsan Ünlü, wies darauf hin, dass zwischen Muslimen und Nicht-Muslimen noch immer große gegenseitige Vorurteile bestünden. Experten könnten dazu beitragen, diese Vorurteile abzubauen. Darum seien theologische Institute eine gute Investition in die Zukunft.

Gabriele Erpenbeck vom niedersächsischen Integrationsministerium sagte, noch immer fehle auf muslimischer Seite ein verbindlicher Gesprächspartner für den Staat: "Wir können nicht mit 80 oder 120 Moscheegemeinden verhandeln."

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21.6.2010